Hamburg

Hamburgs Boxverband kämpft um Rückkehr zur Normalität

Vor den Stadtmeisterschaften am Sonnabend stehen die Streitigkeiten um Sportdirektor Christian Morales weiter im Mittelpunkt

Hamburg.  Selten einmal haben Funktionäre im Hamburger Amateurbox-Verband (HABV) die Stadtmeisterschaften so sehr herbeigesehnt wie vor diesem Sonnabend. Wenn um 18 Uhr in der Verbandshalle Braamkamp die Finalkämpfe der Hamburger Meisterschaften starten, soll der erste Gong die Rückkehr zur Normalität einläuten. „Alle Leistungsträger sind fit, alle Gewichtsklassen besetzt. Wir wollen wieder sportliche Schlagzeilen schreiben und Ruhe reinkriegen“, sagt HABV-Präsident Ömrü Özkan.

Das allerdings dürfte ein frommer Wunsch bleiben, haben doch die vergangenen zehn Monate im HABV tiefe Gräben gerissen. Mitte Dezember 2016 war Sportdirektor Christian Morales (37) wegen des Verdachts auf einen einige Jahre zurückliegenden Missbrauch einer Schutzbefohlenen von seinem Amt suspendiert worden. Daraus entbrannte im HABV-Vorstand ein erbitterter Lagerkampf, der in dem von Morales erhobenen Vorwurf gipfelte, Teile des Vorstands um Vizepräsident André Walther, Rechtswartin Nele Rades-Walther, Jugendwart Frank Rieth und Schatzmeister Torben Koop hätten die Anschuldigungen erfunden, um ihm persönlich zu schaden und ihm sein Amt streitig zu machen (Abendblatt berichtete).

In den vergangenen Wochen sind einige Fakten geschaffen worden. So hat die Staatsanwaltschaft Schwerin, in deren Wirkungsbereich der mutmaßliche Missbrauch stattgefunden haben soll und bei der deshalb auch die Strafanzeige erstattet worden war, die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen eingestellt und kein Verfahren gegen Morales eröffnet. Rechtskräftig ist diese Entscheidung indes noch nicht, da die Gegenseite Beschwerde eingelegt hat und nun der Generalstaatsanwalt erneut über den Fall befinden muss.

Den HABV-Vorstand hielt das noch ausstehende rechtskräftige Urteil nicht davon ab, den Sportdirektor vollständig zu rehabilitieren. „Für uns ist mit der Einstellung juristische Klarheit gegeben“, sagt Präsident Özkan. Eine Position, die andere nicht teilen. Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV), sieht noch erheblichen Klärungsbedarf, zumal die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsbegründung erklärte, zwar keine strafrechtlich relevanten Vergehen erkennen zu können, wohl aber die Möglichkeit einer einvernehmlichen Beziehung zwischen der damals 17 Jahre alten Sportlerin und Morales. Eine solche ist zwar nicht strafbar, wäre für Kyas allerdings „moralisch zwischen Trainer und Sportlerin fragwürdig. Der DBV wird deshalb Christian Morales so lange nicht auf seinen Veranstaltungen als Trainer einsetzen, bis die Angelegenheit glasklar aufgearbeitet ist und der DOSB uns eine entsprechende Empfehlung ausspricht. Ich hätte mir gewünscht, dass der HABV ebenso abwartend reagiert hätte.“

Auch die Stadt fordert vor einer Wiederaufnahme der Beziehungen zum HABV eine vollständige Aufklärung. Der Verband müsse seine Verhältnisse beruhigen und neu ordnen und auch die aktuell nicht existente Beziehung zum Hamburger Sport-Bund kitten, sagte Sportstaatsrat Christoph Holstein.

Das Ehepaar Walther, Rieth und Koop, die über Jahre gute und wichtige Arbeit geleistet hatten, sind als Konsequenz aus der Rehabilitation Morales’ von ihren Ämtern zurückgetreten und teils mit ihren Vereinen zum Landesverband MV gewechselt. Danach wurden sie vom kommissarischen HABV-Vorstand, der am 24. Januar auf einer vorgezogenen Hauptversammlung neu gewählt werden soll, wegen verbandsschädigenden Verhaltens ausgeschlossen. Unter anderem wird ihnen von der HABV-Führung Urkundenfälschung vorgeworfen. Öffentlich äußern wollte sich dazu keiner.

Christian Morales will zunächst abwarten, was die Beschwerde gegen die Einstellung ergibt. Sollte sie erfolglos bleiben, will er Beweise vorlegen, die seine Theorie stützen, und eine Verleumdungsklage einreichen. „Und sollte das Verfahren eröffnet werden, ist das auch gut, dann werde ich vor Gericht darum kämpfen, meine Unschuld zu beweisen“, sagt er. Eins ist also klar: Ruhe wird im HABV auch in den kommenden Monaten ein frommer Wunsch bleiben.