Mainz

Mit Ex-HSV-Torwart Adler raus aus der Abstiegszone

Bundesliga-Serie Mainz-Trainer Schwarz setzt auf Umschaltfußball

Mainz. Manchmal sieht sich Sandro Schwarz genötigt, einem Journalisten in die Frage zu grätschen. Zum Beispiel, wenn der davon spricht, der neue Cheftrainer des FSV Mainz 05 habe dem Team in der Saisonvorbereitung seine Spielidee vermittelt. „Das ist nicht meine Spielidee“, widerspricht Schwarz. „Das sind die Ideen, die wir im Nachwuchs niedergeschrieben haben.“

Der Verweis auf „Schwarz’ Spielweise“ ist dennoch nicht gänzlich unangebracht, weil auch sein Vorgänger Martin Schmidt häufig von der 05-Philosophie sprach, damit aber etwas anderes meinte – nämlich sortenreinen Umschaltfußball, zuletzt zusehends defensiver interpretiert. Mit dem Trainerwechsel wird „nicht alles komplett auf den Kopf gestellt“, wie Schwarz sagt. „Grob zusammengefasst kann man sagen, dass wir in beide Richtungen aktiv sein wollen: in der Arbeit gegen den Ball und in Ballbesitz.“ Die einzelnen Bausteine könnten sich von Woche zu Woche unterscheiden, eines aber müsse immer gelten: „Wir wollen die Leute begeistern mit unserer Arbeit, unserer Bereitschaft und der Intensität, die wir an den Tag legen.“

Die Lernfortschritte waren in der Vorbereitung deutlich zu erkennen und auch im DFB-Pokal beim Lüneburger SK (3:1). Das Personal, das Schwarz (gehörte 2004 zu jenem Team, das unter Jürgen Klopp in die Bundesliga aufstieg) und Sportvorstand Rouven Schröder an Land gezogen haben, passt zu diesem Vorhaben: Spielmacher Alexandru Maxim (VfB Stuttgart/drei Millionen Euro) und der für fünf Millionen Euro aus Monaco gekommene Innenverteidiger Abdou Diallo, stark auch im Spielaufbau, sind am nächsten an den Stammplätzen dran.

Außenstürmer Viktor Fischer (FC Middlesbrough/3 Millionen Euro) ist schnell, ballsicher und verfügt über einen harten, präzisen Abschluss. Und in der Sturmspitze Kenan Kodro (CA Osasuna/1,75 Millionen Euro) haben die Mainzer bewusst einen anderen Spielertypen als Jhon Cordoba geholt, flexibler und nicht so leicht auszurechnen.

Cordobas 17-Millionen-Transfer nach Köln war einer von zwei Coups, die Rouven Schröder in diesem Sommer gelungen sind. Der zweite war die Verpflichtung von René Adler. Den einstigen Nationaltorwart wähnte man wahlweise vor einem Wechsel ins Ausland oder als Nummer zwei beim FC Bayern. Auf die Idee, als Manager von Mainz 05 mit einem bescheidenen Budget bei
Adler vorstellig zu werden, wäre nicht jeder gekommen. „Manchmal“, sagt Schröder, „muss man querdenken.“

Prognose: Das Mainzer Wirken ist unabhängig von Personen – egal ob Trainer oder Spieler. Das Potenzial ist da, um nicht erneut in Abstiegsgefahr geraten zu müssen.