Fifa-Funktionär ist tot

Chuck Blazer – der Mann, über den auch Sepp Blatter stürzte

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Erlebte einen Mafia-Krimi erster Güte: Der verstorbene frühere Fifa-Funktionär Chuck Blazer (USA)

Erlebte einen Mafia-Krimi erster Güte: Der verstorbene frühere Fifa-Funktionär Chuck Blazer (USA)

Foto: dpa

Der jetzt verstorbene Amerikaner ging als "Whistleblower" des FBI in die Geschichte des Skandals um den Fußball-Weltverband ein.

New York/Frankfurt. Chuck Blazer tuckerte gemütlich auf seinem Seniorenmobil durch die Straßen von New York, als sich ihm plötzlich FBI-Agenten in den Weg stellten. Statt ins Szene-Restaurant Elaine's an der Upper East Side fuhr der füllige, alte Mann mit dem weißen Rauschebart ins Verhörzimmer der US-Bundespolizei. Was folgte, war ein Mafia-Krimi erster Güte, der den Weltfußball in seinen Grundfesten erschüttern sollte.

Blazer, der in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 72 Jahren verstarb, packte von der Panik getrieben aus, erzählte nach jener Verhaftung im Jahr 2011 alles. Er berichtete dem FBI von der Korruption, den Unsummen in Umschlägen, übergeben in karibischen Luxushotels, verschobenen WM-Turnieren. Von dem ganzen Schmutz, der ihn zum Millionär gemacht hatte. Vier Jahre später implodierte die Fifa, Sonnengott Joseph S. Blatter stürzte auch wegen Blazer von seinem Thron.

Blazers Anwalt ist "tief bestürzt"

"Sein Fehlverhalten, für das er in vollem Umfang die Verantwortung übernommen hat, sollte nicht seinen positiven Einfluss auf den internationalen Fußball verschleiern", teilte Blazers Anwalt in einer Stellungnahme mit: "Wir sind tief bestürzt über den Tod unseres Klienten und Freundes." Davon hatte Blazer, der 2015 von der Fifa-Ethikkommission für immer gesperrt worden war, nicht mehr viele.

Seitdem die US-Behörden Charles Gordon Blazer, geboren zwölf Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in der Mangel hatten, fielen die Korrupten im Weltfußball wie die Fliegen. Blazer war mehr als zwei Jahrzehnte lang Generalsekretär des Kontinentalverbandes von Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), der Keimzelle der schmierigen Fifa-Geschäfte. Bis er sich 2013 vor Gericht schuldig bekannte, saß der Geschäftsmann im Fifa-Exekutivkomitee. Er kannte sie alle. Er verriet viele.

Blazer war kein Weltverbesserer

Aber Blazer tat das nicht, um die Welt zu verbessern. Der für seinen extravaganten Lebensstil bekannte Funktionär, der im New Yorker Trump Tower Räume nur für seine Katzen angemietet haben soll, wollte seine Haut retten. Das FBI drohte mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, einer lebenslangen Haftstrafe.

Da wurde Blazer, der lange gegen seine Krebs- und Zuckerkrankheit gekämpft hat, lieber zum "Whistleblower", zum Kronzeugen, und füllte die US-Anklageschrift, dank der 2015 zahlreiche Fifa-Funktionäre verhaften werden konnten. Tag für Tag gab es neue Enthüllungen, die Korruptionsvorwürfe reichen bis zur WM-Vergabe 1998 zurück.

Eine Wanze im Schlüsselanhänger?

Es gibt derart viele Geschichten über "Mister 10 Prozent", der sich nonchalant an etlichen Deals mit eben jenem Anteil bereichert hatte, dass sich selbst die Drehbuch-Schreiber aus Hollywood über Jahre bedienen könnten. Nach dem und gerade wegen des Kniefalls vor dem FBI im Jahr 2011 durfte Blazer noch ein paar Jahre weitermachen - als Spitzel.

Mit einer Wanze im Schlüsselanhänger soll die reichte Hand von Skandalfunktionär Jack Warner während der Olympischen Spiele 2012 in London Verantwortliche der russischen und australischen WM-Bewerbung für 2018 (Russland gewann bei der Wahl 2010) sowie weitere Fifa-Granden abgehört haben. Im Nebenraum schnitt das FBI die Gespräche mit.

( sid )