Trainingslager Türkei

Bundesliga-Teams wollen nicht mehr nach Belek

Die HSV-Profis Anfang 2016 in Belek: Dren Feka (v.l.), Michael Gregoritsch, Finn Porath, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek

Die HSV-Profis Anfang 2016 in Belek: Dren Feka (v.l.), Michael Gregoritsch, Finn Porath, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek

Foto: Witters

Erdogan schreckt den Profifußball ab: Kein deutsches Team reist zum Trainingslager in die Türkei. HSV hat eine Alternative gefunden.

Belek/Köln.  Die Besucherzahlen in den Badehochburgen brechen regelrecht ein, und auch die deutschen Fußballclubs machen mittlerweile einen großen Bogen um die Türkei. Vor einem Jahr holten sich noch 16 der 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga in Belek und Co. den Feinschliff für die Rückrunde, in diesem Winter schlägt dort kein einziges deutsches Profiteam sein Lager auf. Die politischen Unruhen haben Spuren hinterlassen.

„Wir fliegen nicht in die Türkei. Mit Erdogan will ich nichts zu tun haben“, sagte Gertjan Verbeek, Trainer des Zweitligisten VfL Bochum. Durch die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan driftet das Land am Bosporus zusehends in eine Autokratie ab.

Seit dem Militärputsch im Juli kam es in der Türkei zu Tausenden Entlassungen und Verhaftungen - und immer wieder auch zu Anschlägen. Das wirkt sich negativ auf die Attraktivität des Landes aus. Im Juni meldete das Tourismusministerium ein Minus von 40 Prozent bei den Besucherzahlen aus dem Ausland.

Belek war Traum jedes Bundesligaclubs

Dabei war gerade Belek jahrelang der Traum fast eines jeden Bundesligaclubs. Auf einer Vielzahl von Rasenplätzen konnte dort bei solidem Wetter trainiert werden, der nächste Testspielgegner war nie weit - und das alles zu einem erschwinglichen Preis. Doch die Zweifel an der Sicherheit haben die Vorteile längst überholt.

„Es ist selbstredend, dass die Türkei ausfällt“, sagte der kürzlich beim SV Darmstadt entlassene Sportchef Holger Fach, der stattdessen für den Club ein Domiziel in der Nähe von Alicante/Spanien auswählte: „So optimal wie in der Türkei wird es nicht mehr sein, weil es in Europa keinen Ort gibt, wo 50 Mannschaften sind, wo man immer spielen kann. Das ist eben der Preis der politischen Situation.“

HSV fliegt stattdessen nach Dubai

2016 kam es in der Türkei zu Dutzenden Anschlägen, im Juni starben 48 Menschen bei einem Attentat auf den Istanbuler Flughafen. „Wir haben uns dieses Jahr auch aufgrund der unsicheren politischen Lage in der Türkei gegen ein Trainingslager in Belek entschieden“, teilte die Presseabteilung des HSV mit. Stattdessen fliegen die Hanseaten nach Dubai, ins Land ihres Hauptsponsors Emirates.

So wie der HSV denken viele Clubs. „In diesem Jahr bestand bei der Türkei das Risiko, dass es schwierig werden könnte, Gegner für Testspiele zu finden, weil nur sehr wenige Clubs dort Trainingslager beziehen“, teilte Borussia Mönchengladbach mit.

Wie Bruchhagen beim HSV wirtschaften will

Von den Absagen profitiert vor allem die iberische Halbinsel. Viele Vereine wählen als neue Destination Spanien, Rekord-Aufsteiger RB Leipzig und Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart schlagen ihre Zelte in Lagos in Portugal auf. Die Türkei ist erst einmal Außen vor. Dabei ist die Provinz Antalya, zu der auch das 7000-Einwohner-Dorf Belek gehört, auf den Tourismus und die Besuche der Clubs in der Winterpause angewiesen.

Gar nicht erst wegfahren werden 1899 Hoffenheim, der FC Ingolstadt und der 1. FC Köln. Letzterer bleibt im Rheinland, in der Hoffnung, dass das Wetter mitspielt. Zum Rückrundenstart Ende Januar habe man auch keine 28 Grad, sagte Trainer Peter Stöger.