München

Doping-Chaos: Russlands Biathleten verlieren Weltcup

Auch der Weltverband im Eisschnelllauf zieht seine Konsequenzen

München.  Nach Bob nun Biathlon und Eisschnelllauf: Russlands Wintersportlern geht es nach den schockierenden Doping-Enthüllungen im zweiten McLaren-Report weiter an den Kragen. Am Donnerstag verloren die Russen die Ausrichtung des Weltcups der Biathleten in Tjumen und der Junioren-WM in Ostrow sowie des Weltcup-Finals der Eisschnellläufer in Tscheljabinsk. Erst vergangene Woche hatte der Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF Sotschi die WM 2017 entzogen.

„Für den russischen Biathlon-Verband ist das der erste wichtige Schritt, der IBU und der Sportwelt zu zeigen, dass er die derzeitige Situation sehr ernst nimmt. Der internationalen Biathlon-Familie erlaubt diese Maßnahme, den Fokus während der betreffenden Veranstaltungen wieder auf unseren Sport zu richten“, sagte Anders Besseberg nach einer Vorstandssitzung des Biathlon-Weltverbandes am Donnerstagabend in München.

Laut offizieller IBU-Mitteilung habe Russlands Verband RBU die Ausrichtung der Wettbewerbe in Tjumen und Ostrow zurückgegeben, dies ist wohl aber alles andere als freiwillig, sondern auf großen Druck aus dem Ausland geschehen: Im Vorfeld des Treffens zwischen dem IBU-Vorstand und einer eigens ins Leben gerufenen Expertengruppe mit Mitgliedern aus fünf Nationen hatte es massive Proteste der Verbände aus Norwegen, Tschechien und Großbritannien gegeben. Alle drei Nationen drohten, den Weltcup im westsibirischen Erdölzen­trum Tjumen (9. bis 12. März 2017) und weitere internationale Rennen in Russland wie die Nachwuchs-WM im kommenden Februar zu boykottieren. Erst im September hatte die IBU die Erwachsenen-WM 2021 nach Tjumen vergeben, schon damals eine heftig kritisierte Entscheidung.

Die IBU leitete zudem ein Disziplinarverfahren gegen zwei russische Athleten ein und suspendierte diese vorläufig. Die Namen der beiden Athleten nannte der Weltverband gemäß seiner Gepflogenheiten nicht. Darüber hinaus strengt die IBU ein formelles Verfahren gegen die RBU und 29 weitere – ebenfalls öffentlich nicht benannte – Athleten an. Russlands Biathleten waren von den jüngsten Enthüllungen maßgeblich betroffen. 31 Skijäger gehören zu den dopingverdächtigen Athleten, die Ermittler Richard McLaren in seinen Untersuchungen zum Dopingskandal belastet.

Eher unerwartet folgte am Donnerstagabend die Entscheidung des Eisschnelllauf-Weltverbands, das Weltcup-Finale vom 10. bis zum 12. März nicht wie geplant in Tscheljabinsk auszutragen.