Nizza

König Zlatan dankt ab

Der Rücktritt des exzentrischen Superstars ist auch eine Chance für Schwedens Nationalmannschaft

Nizza. Kein magischer Moment, kein letztes Hurra - dennoch dankte der selbsternannte König Zlatan Ibrahimovic mit dem Selbstverständnis eines großen Herrschers ab. „Ich habe das Land zu meinem Land gemacht, es wird immer mein Land bleiben“, sagte der Exzentriker nach seinem letzten Spiel für Schweden: „Das ist eine schöne Geschichte, wenn man sieht, wo ich hergekommen bin. Die Menschen nennen es Ghetto.“

Vom Problemkind im berüchtigten Malmö-Bezirk Rosengard zu einem der besten, reichsten und populärsten Fußballer der Welt – dieser Aufstieg ist dem 34-Jährigen wahrlich gelungen. Doch auch ein Ibrahimovic ist nicht allmächtig. Schwedens Vorrundenaus bei der EM durch das 0:1 (0:0) zum Gruppenabschluss in Nizza gegen Titelanwärter Belgien konnte selbst „Ibra“ nicht verhindern.

Er sei „sehr enttäuscht“, sagte Ibrahimovic knapp eine Stunde den wartenden Journalisten, „aber ich bin auch stolz. Ich habe viele fantastische Erinnerungen an meine Zeit im Nationalteam.“ Seine Frau und die zwei Söhne, Prinz Carl Philip von Schweden, Ministerpräsident Stefan Löfven auf der VIP-Tribüne, die „gelbe Wand“ mit 10.000 Fans - sie alle hatten auf einen allerletzten Geniestreich gehofft. Vergeblich. Sieg- und torlos verließ der Superstar in dieser schwülen Nacht nach 15 Jahren die Länderspielbühne - auch wegen Felix Brych. Der deutsche Schiedsrichter pfiff Ibrahimovic’ artistisches Tor zur vermeintlichen 1:0-Führung (64.) ab, weil er zuvor ein Foul von Passgeber Marcus Berg gesehen hatte. Ibrahimovic gab Brych nach dem Schlusspfiff dennoch artig die Hand. „Mit ein wenig mehr Gerechtigkeit hätten wir das Tor bekommen“, sagte der Stürmer ungewohnt zahm: „Aber es gibt nichts, was ich dagegen tun kann.“

Daran muss sich „Ibrakadabra“, der demnächst wohl bei Manchester United zaubern wird, in Zukunft gewöhnen. „Am Anfang wird es schwer sein, wenn das Nationalteam wieder spielt und ich nicht eingreifen kann“, gab er zu. An eine Zeit ohne den Superstar muss sich aber auch Schweden erst gewöhnen. Der Umbruch, der durch die Rücktritte der weiteren Leistungsträger sowie von Trainer Erik Hamren vergrößert wird, ist aber auch eine Chance. Ibrahimovic habe „für viele magische Momente gesorgt, aber Schweden nie bei einem Turnier getragen“, schrieb die Zeitung „Dagens Nyheter“ überraschend kritisch: „Ibrahimovic, der Verantwortung übernehmen und das Team führen sollte, hat damit komplett versagt.“

Der neue Trainer Janne Andersson kann nun ein System ohne Fokussierung auf einen Star spielen lassen. Auf diese Weise sind Mannschaften wie Island, Irland, Ungarn oder Nordirland in die K.-o.-Runde gestürmt. Sein Vorgänger konnte das nicht, er wollte es aber auch nicht. „Er ist einzigartig“, schwärmte Hamren über Ibrahimovic: „Ob man in Schweden einen neuen Zlatan findet? Nein!“