HSV-Idol

Hrubesch auf großer Mission: Olympia als krönender Abschluss

Ab und zu denkt Horst Hrubesch schon an seine Zeit als Rentner

Ab und zu denkt Horst Hrubesch schon an seine Zeit als Rentner

Foto: Armin Weigel / dpa

Die Olympischen Spiele in Rio sollen der krönende Karriere-Abschluss für den „Kleenen vom Lande“ werden.

Frankfurt. Ab und zu denkt Horst Hrubesch schon an seine Zeit als Rentner. Vielleicht werde er tagelang in Norwegen angeln, verriet der DFB-Trainer unlängst bei Radio FFH. Oder mit seinen fünf Enkeln noch häufiger Fußball spielen, auch wenn es „keiner von denen“ zum Profi schaffen werde. Langweilig dürfte es dem 64-Jährigen jedenfalls nicht werden, wenn er nach den Olympischen Spielen in den Trainer-Ruhestand geht.

Noch lieber denkt Hrubesch aber an die kommenden Wochen. In Rio soll der krönende Abschluss seiner Laufbahn erfolgen, für dieses Ziel hat der gebürtige Westfale hart gearbeitet. „Das wird ein echtes Highlight für mich, ein Traum“, sagt Hrubesch mit berechtigtem Stolz. Erstmals seit 1988 wird ein deutsches Männer-Team am olympischen Fußball-Turnier teilnehmen, und er ist der Macher.

Eine Medaille, am besten Gold, wäre das perfekte Abschiedsgeschenk. Immerhin ist Hrubesch so etwas wie der Titel-Experte des DFB, schaffte 2008 mit der U19 und ein Jahr später mit der U21 den EM-Triumph. Vom „magischen Hotte“ schrieb anschließend der Spiegel. Als 2013 ein Nachfolger für Rainer Adrion gesucht wurde, überlegte der DFB nicht lange und holte Hrubesch zurück.

Dort hat Hrubesch, der im April seinen 65. Geburtstag feiert, einen besonderen Draht zu den Jungspunden gefunden, die seine Enkel sein könnten. Hrubesch führt das auch auf seine eigene Biographie zurück. Sein Vater verließ die Familie, als Hrubesch 13 Jahre alt war. „Ich musste früh viel Verantwortung für meine zwei Brüder und zwei Schwestern übernehmen“, sagt er. Auch später als Profi nahm der Europameister von 1980 die jungen Spieler an die Hand - und nun eben als Trainer.

Und das trotz seiner manchmal kauzigen Art mit Erfolg. Kürzlich ist seine Biographie erschienen. Abgebildet ist dort auch ein Zettel, der viel aussagt über den Trainer Hrubesch. „Sprüche Hrubesch“ steht ganz oben, und darunter finden sich typische Formulierungen des Trainers. „Ende der Durchsage“, „Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank“ oder auch „Ich bring dich um!“

Die Sprüche gesammelt haben seine Spieler Timo Horn und Philipp Hofmann - mit einer Mischung aus Augenzwinkern, Respekt und Ehrfurcht. Für seine Spieler ist Hrubesch immer da, fuhr auch schon mal extra nach Stuttgart, um Moritz Leitner aufzubauen oder wagt sich an die PlayStation (“Da habe ich keine Chance“). Im Training kann er dagegen schimpfen wie ein Rohrspatz, seine Spieler werden dann klein mit Hut.

Diese Mischung ist es, die Hrubesch zum Erfolg verholfen hat - und nun sogar zu Olympia. „Wer hätte das gedacht: Der Kleene vom Lande in der großen Welt“, sagt Hrubesch über seine Karriere: „Ich bin jetzt 64. Ich bin dankbar, dass ich das alles erleben durfte.“ Angeln in Norwegen kann er auch noch später.