Bremen

An der Weser ist es ungemütlich

Das Spiel gegen den HSV kommt Werder Bremen nach der 0:6-Klatsche in Wolfsburg gerade recht

Bremen. Es war ungemütlich und kalt, von der Weser wehte eine feuchte Brise herüber, Fans waren am Freitag vom Abschlusstraining ausgeschlossen. Eine ungastliche, unwirtliche Atmosphäre herrschte auf dem Platz neben dem Weserstadion, wo sich die Profis des SV Werder auf das Nordderby gegen den HSV vorbereiteten. Das passte schon, denn genau so soll es am Sonnabend zugehen: ungastlich, unangenehm – für den HSV. „Es geht ums Prestige“, sagte Werder-Trainer Viktor Skripnik: „Wir wissen, wo es langgeht.“

Tatsächlich kann Werder derzeit nichts Besseres passieren als das Duell mit dem alten Nordrivalen. Ein Spiel, das ohnehin besonders im Fokus steht, ein Spiel, für das niemand besonders motiviert werden muss. Ein Spiel, das den Fokus ablenkt von der unterirdischen 0:6-Klatsche am vergangenen Sonnabend beim VfL Wolfsburg. Ein Spiel, das die große Chance zur Rehabilitation ist: HSV schlagen, und Wolfsburg wäre vergessen. „Wir wollen richtig Gas geben und das Werder-Gesicht zeigen“, kündigte Skripnik an.

Ein Ausrutscher sei das halbe Dutzend beim VfL gewesen, heißt es. „Nie wieder wollen wir so etwas erleben“, kündigte Abwehrchef Jannik Vestergaard an. Skripnik und Co-Trainer Torsten Frings hatten deshalb auch die Zügel im Training angezogen. Es ging zur Sache, vor allem Zweikämpfe wurden immer wieder geübt. Und zwar so intensiv, dass Werders Vorstandschef Thomas Eichin schon befürchtet, der eine oder andere könnte in der emotionalen Ausnahmesituation zwischen 0:6 und Nordderby überdrehen: „Wir müssen schauen, dass wir zu elft auf dem Platz bleiben.“

Einer der elf Profis dürfte Claudio Pizarro, 37, sein, der wandelnde HSV-Schreck, der in 31 Pflichtspielen gegen Hamburg 21 Mal traf. Erst einmal kam der Peruaner in dieser Spielzeit in der Startelf zum Einsatz – aber: wenn nicht jetzt, wann dann? „Er ist jetzt körperlich fit genug“, sagte Skripnik, der selbst dringend ein Erfolgserlebnis braucht. Denn sonst könnte es auch für den Trainer so ungemütlich werden, wie es am Freitag schon war.