Hamburg

Mediziner fordert bessere Marathonvorbereitung

40 Prozent der Läufer waren nie beim Arzt. Das sei Wahnsinn, meint der Berliner Willi Heepe, Spezialist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Hamburg. Ein Marathon ist kein Kinderspiel – vor allem die „Stammtischläufer“ leben nach Ansicht von Sportmediziner Willi Heepe gefährlich und riskieren nicht selten ihre Gesundheit. „Mit Biertischwetten, einmal im Leben einen Marathon zu laufen, tun sie sich keinen Gefallen. Die sind am meisten gefährdet. Und denen würde ich verbieten, die 42.195 Meter zu laufen“, sagt der Arzt vor dem 42. Berlin-Marathon am Sonntag (Start 9 Uhr, ARD ab 8.45 Uhr live).

In seinen mehr als 30 Jahren als Medizinischer Direktor des Berlin-Marathons hat der heute 77-Jährige viel erlebt, er hat selbst 50 Marathonläufe bestritten und treibt auch heute noch regelmäßig Sport. Immer wieder appelliert Heepe an das aus seiner Sicht Wichtigste: Das Verantwortungsbewusstsein eines jeden Sportlers. „Marathonlaufen ist eine Modedroge. 40 Prozent der Läufer waren nie beim Arzt. Das ist Wahnsinn!“, sagt der Spezialist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der vor allem Ausdauersportler untersucht und berät.

„Viele sagen: Ich esse Müsli, ich rauche nicht – ich bin gesund.“ Doch um fit für einen Marathon zu sein, reicht das nach den Erfahrungen Heepes nicht. „Die Anfänger laufen zu schnell und zu viel“, warnt der Mediziner und spricht sich für Leistungsdiagnostik, Gesundheitschecks und maßgeschneiderte Trainingspläne aus. „Die Leute kaufen sich heutzutage ein Auto und bringen es wie selbstverständlich regelmäßig zur Inspektion“, erklärt er. „Aber das eigene Herz – da wird der Ölstand nicht kontrolliert.“

Daher wirbt er für regelmäßige Untersuchungen vor einem sportlichen Ausdauer-Abenteuer. Bei mehr als 40.000 Läufern, die am Sonntag in Berlin starten, „da weiß ich, dass viele lieber zu Hause geblieben wären“, meint Heepe. Er weiß aber auch: „Der intelligente Läufer ist heute besser vorbereitet als vor 30 Jahren. Die Kerngesunden zeigen Verantwortung. Die Ignoranten sind am meisten gefährdet.“

Drei Dinge empfiehlt der Sportmediziner allen Hobbyläufern daher: Ein sorgfältiges Belastungs-EKG, eine Blutuntersuchung und ein Ultraschall des Herzens. „Dann hat man eine sehr hohe Sicherheit, dass nichts passiert“, erklärt der Arzt, der auch mit 77 Jahren noch praktiziert.