Zürich

Druck auf Blatter wächst

Nach dem Sturz seines Generalsekretärs Jérôme Valcke gerät der Fifa-Präsident noch mehr ins Visier

Zürich. Als auf dem zu einem grünen Fußballfeld verwandelten Roten Platz in Moskau 1000 Tage vor der geplanten Eröffnungsfeier zur WM 2018 der Countdown mit einer Zeremonie angezählt wurde, musste als Repräsentant der Fifa kurzfristig Wettbewerbsdirektor Colin Smith einspringen. Präsident Joseph S. Blatter war nach dem Sturz seines bisherigen Generalsekretärs Jérôme Valcke unabkömmlich.

Während der nach Bereicherungsvorwürfen gestürzte Valcke untergetaucht ist, wird es um Blatter einsam. Im verzweifelt wirkenden Kampf um seine zerbröselnde Macht im skandalumtosten Weltverband vermag sich der Schweizer auch nur noch mit einer bemerkenswerten Doppelmoral durch leere Drohungen gegen Korruptionsanschuldigungen zur Wehr setzen.

„Der Fifa-Präsident hat im Zusammenhang mit der Vergabe der Hospitality-Rechte für die Fußball-WM 2006 zu keinem Zeitpunkt Geld verlangt oder erhalten. Anders lautende Behauptungen sind falsch, boshaft und verleumderisch. Wer solche Vorwürfe äußert, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen“, teilte die Fifa mit. Offenbar jedoch ließen die Fifa und Blatter ihren Worten noch keine Taten folgen, obwohl Mitarbeiter der Züricher Ticket-Agentur JB Sports neben Valcke auch Blatter mit „persönlichen Gratifikationen“ in Millionenhöhe als Gegenleistung für einen Fifa-Vertrag in Verbindung gebracht hatten.

Fragwürdig bleibt auch das unterschiedliche Maß bei der Bewertung der neuen Anschuldigungen. Während Valcke nur Stunden nach Veröffentlichung der Vorwürfe in Abwesenheit von allen Aufgaben entbunden wurde, klammert sich Blatter trotz ähnlicher und eidesstattlich untermauerter Beschuldigungen an seinen Posten und berief den deutschen Fifa-Finanzdirektor Markus Kattner zum Interims-Generalsekretär. Ob Valcke seinem bisherigen Stellvertreter noch ordentlich die Amtsgeschäfte übergeben wird, erschien am Freitag fraglich. Über seinen Anwalt ließ der Franzose die Vorwürfe, die möglicherweise eine Folge der Ermittlungen von Schweizer Behörden und der US-Justiz im Fifa-Skandal gewesen sind, als „konstruiert und unverschämt“ zurückweisen. Valcke wird verdächtigt, zehn Millionen Dollar aus Südafrika an die von Skandalfunktionär Jack Warner kontrollierten Fußball-Verbände Concacaf und Cfu weitergeleitet zu haben.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach reklamierte Informationsbedarf: „Auch ich kenne den Vorgang bisher nur aus den Medien. Ich hoffe sehr, dass wir bei der Sitzung des Fifa-Exe­kutivkomitees nächste Woche dazu eine Aufklärung bekommen.“