Champions League

Gegentor aus 55 Metern: ter Stegen mit „Panik in den Augen“

Alessandro Florenzi hatte geschossen,  Marc-Andre ter Stegen kann  nur hinter dm Ball herschauen

Alessandro Florenzi hatte geschossen, Marc-Andre ter Stegen kann nur hinter dm Ball herschauen

Foto: TONY GENTILE / REUTERS

Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen stand beim 1:1 des FC Barcelona in Rom wegen eines kuriosen Gegentores aus über 50 Metern im Mittelpunkt.

Barcelona/München. Das Entsetzen stand Marc-André ter Stegen ins Gesicht geschrieben. Die Zeitung Marca wollte gar „Panik in den Augen“ des 23 Jahre alten Torhüters gesehen haben, als der Ball aus 54,5 Metern über ihn hinwegsegelte und vom Innenpfosten schließlich ins Tor prallte.

Alessandro Florenzi hatte den deutschen Nationaltorhüter beim 1:1 (1:1) des FC Barcelona in Rom mit einem laut Roma-Trainer Rudi Garcia „Tor für die Geschichtsbücher“ in der 31. Minute übertölpelt. Es war für ter Stegen 102 Tage nach dem Champions-League-Triumph mit Barca ein ganz bitterer Moment in seiner noch jungen Karriere - wieder einmal.

Und auf den Spott musste der hochveranlagte Ex-Gladbacher, für eine Szene im vergangenen Halbfinale beim FC Bayern noch mit der „Parade der Champions League-Saison“ ausgezeichnet, nicht lange warten. „Natürlich ist das ein eindeutiger Torwartfehler. Wenn du aus 60 Metern ein Gegentor kassierst, wer soll dann schuld sein - der liebe Gott?“, meinte Kaiser Franz Beckenbauer bei Sky.

Allerdings stand Beckenbauer mit seiner Kritik so ziemlich alleine da. Selbst Barca-Trainer Luis Enrique wollte seinen Keeper nicht verantwortlich machen. „Marc trifft keine Schuld, es ist meine. Ich ordne an, wo der Torhüter stehen muss und verlange, dass wir hoch verteidigen. Deshalb kann man ihm nichts vorwerfen“, sagte Enrique.

Auch Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn wollte im ZDF keinen Fehler gesehen haben. Der Treffer sei vielmehr dem modernen Spiel der Torleute geschuldet, die immer weiter vor dem Tor postiert seien. Gerard Piqué ergänzte, dass Florenzi den Ball eben auch „super getroffen hat“.

Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte gesehen, dass ter Stegen wie so oft viel zu weit vor seinem Tor stand, und hatte kurz nach der Mittellinie von der rechten Seite einfach mal draufgehalten. „Ich konnte nicht glauben, dass der reingeht - unglaublich“, meinte Florenzi glückselig und hinterließ einen fassungslosen ter Stegen.

Pluspunkte dürfte ihm der Gegentreffer im Kampf um die Nummer eins bei Barca mit dem derzeit verletzten Claudio Bravo sicher nicht eingebracht haben. Schon unlängst im Supercup gegen Bilbao hatte der viermalige Nationalkeeper, der in der vergangenen Saison nur in der Königsklasse zum Einsatz gekommen war, gepatzt. Im DFB-Team ist vor allem ter Stegens tölpelhafter Auftritt beim 3:4 gegen die USA im Juni 2013 in Erinnerung geblieben.

Dass Luis Suarez Barcelona beim AS Rom in Führung brachte und Superstar Lionel Messi seinen 100. Auftritt in der Champions League absolvierte, geriet angesichts des Zaubertors von Florenzi zur Nebensache. Das magere 1:1 für den Titelverteidiger kann aber durchaus als Fehlstart gewertet werden - zumal der FC Bayern vor knapp einem Jahr in Rom noch 7:1 gewann.

Dennoch war Enrique „zufrieden, wie wir gespielt haben. Wir hatten gegen einen sehr defensiven Gegner viele Chancen. Ein Sieg wäre natürlich besser gewesen“. Doch den verhinderten Florenzi und ter Stegen...