Baku

Gastgeber für Europaspiele gesucht

EOC bescheinigt Ausrichter Baku Olympiareife, die sportliche Perspektive bereitet allerdings Sorgen

Baku. Modern und professionell, aber auch fragwürdig und umstritten: Die ersten Europaspiele der Sportgeschichte in Aserbaidschans Hauptstadt Baku sind bei Sportlern und Funktionären gut angekommen, Menschenrechtsorganisationen liefen dagegen Sturm. Nun steht das Format am Scheideweg: Bei der sportlichen Perspektive und der Wahl des Gastgebers für 2019 bleiben viele große Baustellen.

„Diese Europaspiele haben in jedem Bereich unsere Erwartungen übertroffen. Die Infrastruktur und die Organisation befähigen Baku dazu, Olympische Spiele auszurichten“, sagte Patrick Hickey vor der Schlussfeier am Sonntag, auf der die Hamburger Judoka Martyna Trajdos, die in der Klasse bis 63 Kilogramm Gold gewonnen hatte, die deutsche Fahne trug. Für den Präsidenten des Europäischen Olympischen Komitees (EOC) steht außer Frage, dass es eine zweite Auflage geben wird: „Wir haben sieben Interessenten und werden bald einen neuen Gastgeber finden.“ Eine westeuropäische Stadt ist jedoch nicht unter den Kandidaten, dagegen die weißrussische Hauptstadt Minsk, Kasan (Russland) und Istanbul (Türkei).

Für Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes und Chef de Mission, setzte Baku „einen Meilenstein für weitere Europaspiele“ – bezogen auf die Rahmenbedingungen mit Unterkunft, Transport und neuen Arenen. Die sportliche Bewertung ist dagegen „nicht einfach“, wie Schimmelpfennig mit Blick auf die teils eklatanten Niveauunterschiede zwischen den Sportarten einräumte. Die Leichtathletik etwa bot mit der dritten Liga der Team-EM Slapstick. Die Schwimmer, Wasserballer oder Turmspringer veranstalteten mangels Interesse des Weltverbandes Junioren-Europameisterschaften. Kurzum: Jede Medaille musste für sich selbst bewertet werden.

Das deutsche Team belegte im Nationenranking mit 16 Goldmedaillen Rang vier hinter Russland, Aserbaidschan und Großbritannien und sammelte das zweitmeiste Edelmetall (66). „Wir sind in vielen Sportarten auf europäischem Niveau mit guter Perspektive“, sagte Schimmelpfennig. „Es muss mit dem Weltverband jetzt ein System entwickelt werden, mit dem die Europaspiele 2019 zugleich Olympiaqualifikation und EM werden“, sagte Martin Kranitz, Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes.