Frauen-WM

5:4 nach Elfmeterschießen – Deutschland im Halbfinale

In einem packenden WM-Viertelfinale besiegte die deutsche Auswahl den Mitfavoriten Frankreich. Heldin des Tages: Celia Sasic.

Montreal. Die deutschen Fußballerinnen sind ihrem Traum vom dritten Stern mit etwas Glück nach einem Elfmeter-Krimi einen riesengroßen Schritt näher gekommen. Die Auswahl von Bundestrainerin Silvia Neid besiegte im packenden WM-Viertelfinale den Mitfavoriten Frankreich nach einem Kraftakt 5:4 im Elfmeterschießen und kämpft am Dienstag (Mittwoch, 1.00 MESZ) gegen die USA oder China um den Einzug ins Endspiel (5. Juli). Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:1 (0:0) gestanden.

Vor 24.859 Zuschauern im Olympiastadion von Montréal rettete Celia Sasic (84.) per Handelfmeter das deutsche Team in die Verlängerung, nachdem Louisa Necib (64.) die über weite Strecken überlegene Équipe Tricolore zunächst auf Halbfinalkurs gebracht hatte. Torhüterin Nadine Angerer parierte den letzten Elfmeter von Claire Lavogez. Alle fünf deutschen Spielerinnen hatten zuvor sicher verwandelt.

Den Viertelfinalsieg verfolgten zwischen 22 Uhr und 0.45 Uhr im ZDF durchschnittlich 7,50 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil betrug 36,6 Prozent. Den bisherigen Bestwert bei dieser WM hatte die Frauen-Nationalmannschaft im Gruppenspiel gegen Norwegen (1:1) am 11. Juni mit 7,09 Millionen Zuschauern erzielt.

Deutschland spielte eine schwache erste Hälfte

Der deutsche Plan, die offensivstarken Französinnen von Beginn an unter Druck zu setzen, ging überhaupt nicht auf. Im Gegenteil waren es beim Hallenfußball in der überdachten Arena die vom frankophilen Publikum lautstark angefeuerten Les Bleues, die nach 47 Sekunden die erste Riesenchance zur Führung hatten. Nachdem sich Elodie Thomis durchgesetzt hatte, schoss Necib nur knapp am linken Pfosten vorbei.

Neid hatte in der Innenverteidigung erwartungsgemäß Babett Peter für die gelbgesperrte Saskia Bartusiak in die Startformation berufen. Ansonsten vertraute die 51-Jährige ihrem Erfolgsteam aus dem 4:1 im Achtelfinale gegen Schweden.

Doch gegen die entschlossenen und kombinationssicheren Französinnen brachte die DFB-Auswahl zunächst keinen geordneten Spielaufbau zustande. Ein Kopfball von Sasic (15.) blieb die einzige deutsche Chance im ersten Durchgang.

Auf der Gegenseite verpasste Marie-Laure Delie (25.) ebenfalls per Kopf nur knapp das Tor. Viel zu oft brannte es im deutschen Strafraum, so dass Torhüterin Nadine Angerer beim Schuss von Necib (38.) mit einem starken Reflex den Rückstand verhinderte.

DFB-Frauen kamen kämpferisch stärker aus der Kabine

Nach der Pause brachte Neid Edel-Joker Dzsenifer Marozsan für Anja Mittag. Die Supertechnikerin sorgte für mehr Ballsicherheit und mit einem 23-Meter-Freistoß fast für die Führung, doch Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi (58.) klärte den Schlenzer zur Ecke.

Die Équipe Tricolore blieb vor allem bei Angriffen über die pfeilschnellen Flügelspielerinnen gefährlich, doch Deutschland hielt nun kämpferisch mehr dagegen. Doch just als die DFB-Auswahl wieder eine bessere Körpersprache an den Tag legte, fiel das 0:1. Necibs Schuss von der Strafraumgrenze fälschte Krahn mit dem Knie unglücklich ab, so dass Angerer sich vergeblich streckte. Die DFB-Auswahl versuchte trotz des Schocks, über den Kampf im Spiel zu bleiben. Simone Laudehr (72.) verpasste nach einer Ecke den Ausgleich. Dieser gelang der nervenstarken Sasic per Elfmeter mit ihrem sechsten Turniertor. Vorausgegangen war ein Handspiel von Amel Majri nach Flanke von Leonie Maier. Nach torloser Verlängerung musste das Nervenspiel Elfmeterschießen entscheiden.