Montreal

Vettel will die Silberpfeile jagen

Eine technisch verbesserte Antriebseinheit soll Ferrari bis zu 30 PS mehr bringen – aber auch Mercedes tritt mit einem neuen Motor an

Montreal.  Nico Rosberg träumt vom Hattrick, Lewis Hamilton will Revanche und Sebastian Vettel fühlt sich in der Rolle des Spielverderbers wohl: Während die überlegenen Silberpfeile auch in Montréal als große Favoriten antreten, hofft Ferrari-Star Vettel beim Großen Preis von Kanada mit einem neuen Motor auf eine weitere Überraschung. Für den Formel-1-Showdown auf dem Highspeed-Kurs hat allerdings auch Mercedes aufgerüstet.

„Wir sind hier, um zu kämpfen, und wir wollen das Maximum herausholen“, sagte Vettel vor dem Rennen am Sonntag (20 Uhr/RTL und Sky). Allerdings ließ der viermalige Weltmeister keinen Zweifel daran, wer als Favorit auf die Strecke geht. „Man muss sehen, dass Mercedes immer noch das stärkste Team ist. Die Herausforderung ist groß“, sagte der 27-Jährige aus Heppenheim. Im freien Training am Freitag war nur der WM-Führende Lewis Hamilton schneller – und leistete sich später einen peinlichen Ausrutscher in die Reifenstapel, bei dem er die Frontpartie seines Mercedes demolierte.

Rosberg musste als Vierter hinter Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen einen Dämpfer hinnehmen. Trotzdem geht er nach zuletzt zwei Siegen in Folge mit breiter Brust in den siebten Saisonlauf. „Ich hatte zuletzt einige positive Momente, das hilft“, sagte der 29-Jährige. Ferrari könne „eine echte Gefahr sein, aber ich glaube schon, dass wir das packen.“

Mit „wir“ meint Rosberg sich und Stallrivale Hamilton. Der 30-jährige Brite tritt Wut im Bauch an, denn in Monaco verschenkte er nach einem unnötigen Boxenstopp durch eine Fehlentscheidung des Teams den sicheren Sieg und wurde bei Rosbergs Triumph nur Dritter. Helfen könnte dem zweimaligen Champion ein neuer Motor. Mercedes hat an der Zuverlässigkeit getüftelt und hofft auf noch souveränere Auftritte. Hamilton war im Vorjahr auf dem Circuit Gilles Villeneuve auf der malerischen Île Notre-Dame ausgefallen, das soll diesmal nicht passieren. 2014 war Polesetter Rosberg beim überraschenden Sieg von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo Zweiter geworden.

Noch führt Hamilton in der WM-Wertung mit 126 Punkten vor seinen deutschen Verfolgern Rosberg (116) und Vettel (98), allerdings ist sein Vorsprung geschmolzen. Doch dafür interessiert er sich nicht: „Es ist wirklich egal, was in der Vergangenheit passiert ist. Man kann das nicht mehr ändern.“

Auch Vettel schaut nur noch vorne. Die Hoffnungen seiner Scuderia ruhen dabei nicht zuletzt auf einer technisch verbesserten Antriebseinheit und einem neuartigen Benzingemisch. In Kombination könnte den Italienern das bis zu 30 PS mehr bringen. Experten rechnen damit, dass Ferrari im Rennen nun etwa 820 PS zur Verfügung stehen, bei Mercedes sollen es etwa 830 sein.