Steffen Kiese – als Student unter Basketballprofis

Hamburg. Kürzlich hat Steffen Kiese das erste Lehrbuch in Empfang genommen. Es wird ihn jetzt eine Weile begleiten, zum Training und vor allem zu den langen Auswärtsfahrten, von denen die Hamburg Towers in dieser Saison der Zweiten Basketball-Bundesliga Pro A noch einige vor sich haben. Das gehört zur sogenannten Selbstlernphase. Am 1. Oktober hat Kiese, 27, sein Masterstudium in Marketing and Sales an der Nordakademie aufgenommen. Der Guard ist damit der Einzige im neuen Wilhelmsburger Team, auf den die Bezeichnung Vollprofi nicht zutrifft.

„An manchen Tagen werde ich die Doppelbelastung verfluchen“, ahnt Kiese. Aber er und auch die Towers haben es ja nicht anders gewollt. Der Verein ist bemüht, seinen Spielern auch eine berufliche Perspektive in der Stadt anzubieten. Auch dadurch erhofft man sich im Wettstreit mit den vielen kleineren Standorten der Pro A einen Vorteil im Kampf um Talente zu verschaffen.

Dem aus Oldenburg stammenden Kiese wiederum hat es schon in seinen vorangegangenen Stationen beim VfL Stade und dem SC Rist Wedel nicht gereicht, nur Basketball zu spielen: „Mir war es immer wichtig, zweigleisig zu fahren.“ Das Bachelorstudium in Betriebswirtschaftslehre ließ sich mit der Beanspruchung in der drittklassigen Pro B oder gar der 1. Regionalliga allerdings auch besser vereinbaren.

Bei den Towers aber wird zweimal am Tag trainiert, und auch wenn noch niemand vom Aufstieg zu reden wagt: Die Ansprüche sind hoch und die Euphorie groß. Nach fünf Siegen aus sechs Spielen wäre es geradezu enttäuschend, sollten die Hamburger ihr zweites Heimspiel an diesem Freitag (19.30 Uhr) in der voraussichtlich erneut ausverkauften Inselparkhalle gegen den Tabellenachten Finke Baskets Paderborn verlieren.

Wie begeistert die Towers bei ihrer Heimpremiere vor zwei Wochen von der Stadt empfangen wurden, hat auch Kiese überrascht: „Es war noch krasser als gedacht.“ Am Sonntag (17 Uhr) dann geht es beim Tabellenzweiten Essen weiter. Viel Zeit für Kiese, sich mit seinem Buch zu beschäftigen.