Glanzvoller Triumph für Hamilton und Rosberg

Historischer Doppelsieg der Silberpfeile beim Formel-1-Rennen in Malaysia

Sepang. Nachdem er ihn besiegt hatte, gab Lewis Hamilton den Vettel. Erst kletterte er mit erhobenem Zeigefinger aus seinem Dienstwagen, dann streichelte er seinen Mercedes-Boliden so liebevoll, wie Rennfahrer ihre Autos nach großen Siegen eben streicheln. Von dort aus sprintete der Brite zu seinen Mechanikern, die bereits mit weit ausgebreiteten Armen auf den Sieger warteten.

In dieser Manier hatte auch der Weltmeister der vergangenen Jahre seine Triumphfahrten beendet, in Indien war er gar vor seinem Auto auf die Knie gefallen. Nachdem Hamiltons Teamkollege Nico Rosberg beim Formel-1-Auftakt vor zwei Wochen dominiert hatte wie 2013 nur Sebastian Vettel, zelebrierte nun Hamilton seinen Triumph in Malaysia wie der Seriensieger.

So sehr Hamiltons Jubelchoreografie auch dem Überschwang des Moments geschuldet sein mochte, illustrierte sie trotzdem die neue Tektonik der Formel 1. Die Verhältnisse, das wurde auch in der tropischen Hitze vor den Toren Kuala Lumpurs wieder deutlich, haben sich verschoben. Nicht mehr die lila-blauen Red-Bull-Boliden sind das Maß der Dinge, sondern die silberfarbenen Autos mit dem Stern auf der Schnauze. Hamilton gewann klar vor seinem Teamkollegen Rosberg, der wiederum kaum Schwierigkeiten hatte, den drittplatzierten Vettel auf Distanz zu halten. Viereinhalb Jahre nach der Formel-1-Rückkehr als eigenständiger Rennstall gelang Mercedes am Sonntag der erste Doppelsieg.

Vor allem dessen Entstehen dürfte den Schwaben große Vorfreude auf die restlichen 17 Grands Prix machen. „Gigantisch, was wir heute für ein Auto hatten, um alle wegzuputzen. Das war ein großer Tag für uns alle“, sagte Rosberg später an die Adresse der mehr als 200.000 Daimler-Angestellten: „Wir profitieren hier von den tollen Leistungen aller Mitarbeiter.“ Dass er noch vor der ersten Kurve an dem vor ihm gestarteten Vettel vorbeiziehen konnte, hatte er allerdings weniger den Daimler-Sekretärinnen und -Pförtnern zu verdanken als vielmehr dem überlegenen Antrieb in seinem Heck. Da Hamilton über einen ebenso starken Motor verfügt, konnte Rosberg ihn nicht überholen und besann sich fortan darauf, die Doppelführung nach hinten abzusichern. Zwischenzeitlich konnten beide in einen benzin- und motorschonenden Modus übergehen – so groß war ihre Überlegenheit.

Titelverteidiger Vettel freut sich über Platz drei: „Auf dem richtigen Weg“

Der Drittplatzierte fühlte sich trotzdem auch ein bisschen als Sieger des Tages. Selten war Vettel auf der niedrigsten Stufe des Podests derart glücklich wie an diesem schwül-heißen Tag, an dem der von allen Teams erwartete Regen überraschend ausgeblieben war. Im Trockenen hatte der Red-Bull-Pilot, vom Monsun beim Qualifying auf Startplatz zwei gespült, erwartungsgemäß Defizite bei der Spitzengeschwindigkeit. Dennoch wähnte er sich und sein Team auf dem richtigen Weg. „Wir haben definitiv einen Schritt nach vorn gemacht“, sagte er mit Blick auf den Null-Punkte-Start in Melbourne: „Wir sind noch nicht da, wo wir eines Tages hinwollen. Aber die Richtung stimmt wenigstens.“

Bis die Red Bulls auf dem Niveau des Sterne-Teams angekommen sind, dauert es aber wohl noch eine Weile. In Malaysia erneuerte Motorsportberater Helmut Marko die Kritik an Motorenlieferant Renault. „Schauen wir auf das Chassis, sind wir absolut an der Spitze. Der kranke Teil ist immer noch der Motor. Es liegt an Renault. Die vereinbarten Werte sind noch nicht erreicht worden“, sagte der einflussreiche Ex-Rennfahrer: „Wir diskutieren über einen Wechsel. Aber wir sind jetzt an das gebunden, was wir haben. Wir können nicht sagen: ‚Ab morgen nutzen wir einen Mercedes-Motor.‘ Dieses Auto ist um einen Renault gebaut, wir machen das Beste aus der Situation, klug und mit ruhigem Blut.“