Wenig Platz für Nettigkeiten

Vor dem Endspiel um den Nordtitel reden die Hockey-Nationalspieler Polk und Mieling über Rivalität

Hamburg. „Der Mopo“, sagt Tom Mieling mit einem Seitenblick auf seinen Kumpel, der neben ihm sitzt und einen Schluck heiße Schokolade nimmt, „ist viel zu lieb, um andere zu hassen.“ Das ist ein interessanter Satz, und die Frage ist in diesem Moment, ob Moritz Polk, den in der Hockeyszene alle „Mopo“ nennen, ihn als Kompliment auffassen darf. Natürlich ist es schön, ein lieber Mensch zu sein, aber gerade dreht sich das Gespräch um das Hallen-Bundesligaderby zwischen dem Uhlenhorster HC und dem Harvestehuder THC, in dem am Sonntag (12 Uhr, Wesselblek) der Nordmeister ermittelt wird. Und Mieling lässt keinen Zweifel an seiner Einstellung dem Rivalen gegenüber. „Auf sportlicher Ebene hassen wir uns“, sagt der Abwehrspieler des UHC.

Rivalitäten zwischen den Hamburger Giganten UHC, HTHC und Club an der Alster haben Tradition, das Wort Hass hat allerdings seit Jahren niemand mehr in Verbindung mit dem Familiensport Hockey benutzt. Entsprechend verwirrt reagiert VWL-Student Polk, 23, der sich beim HTHC zu einem der besten Außenverteidiger Deutschlands entwickelt hat, auf die Aussagen seines gleichaltrigen Freundes, mit dem er am vergangenen Sonntag noch Seite an Seite in Wien EM-Gold in der Halle gewonnen hatte. „Natürlich wollen wir unbedingt gewinnen, aber ich würde nicht davon reden, dass ich dem UHC gegenüber Hass empfinde“, sagt er. Für Polk, der im Sommer 2011 aus Mülheim nach Hamburg gekommen war, sei das einfacher, sagt Mieling, „als Zugereister hat er nicht diese emotionalen Verbindungen zu anderen Hamburger Clubs“.

Er dagegen ist ein UHC-Eigengewächs, er hat bei den „Uhlen“ mit Hockey begonnen und will dort auch damit aufhören. Und wahrscheinlich ist das, was der Jurastudent in seiner direkten Art ausspricht, auch das, was viele Hamburger Urgesteine fühlen, wenn sie an das Derby denken. Nachdem der HTHC in der vergangenen Saison in der Halle den Titel holte und im Feld bestes Hamburger Team war, regieren sie beim UHC zunehmend allergisch auf die Farbkombination Schwarz-Gelb. Vorausgesetzt, dass beide am Sonnabend um 16 Uhr gewinnen – der HTHC gegen Alster, der UHC in Rissen – könnte der UHC mit einem Heimsieg am Sonntag den einen Punkt besseren Tabellenführer stürzen. Für das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft sind beide bereits qualifiziert. „Ich gehe davon aus, dass wir Erster werden“, sagt Mieling.

Dann ist doch noch Platz für ein paar Nettigkeiten. Polk sagt, er bewundere den UHC „für die überragende Jugendarbeit, dank der sie immer wieder Talente in die Bundesliga bringen“. Mieling sagt, er schätze am HTHC „die unglaubliche Geschlossenheit und den Teamgeist, den die Mannschaft in jedem Spiel ausstrahlt“. Dürfte er sich einen Spieler für einen Vereinswechsel aussuchen, dann wären es sein Kumpel „Mopo“ und der schwedische Angreifer Johan Björkman, „weil sie als Typen bei uns reinpassen würden“. Polk dagegen wüsste sportlich etliche Kandidaten, würde aber niemanden wählen, „weil sich kein UHC-Spieler bei uns wohlfühlen würde“.

So groß die Abneigung auch ist: Beide hoffen, dass es noch in dieser Hallensaison eine Neuauflage geben wird und zwar im Finale der Endrunde am 9.Februar in der Sporthalle Hamburg. „Obwohl ich schmunzeln würde, wenn der HTHC vorher ausscheidet, wäre ein Finalsieg gegen die der schönste Triumph“, sagt Mieling. Polk sagt nur, dass er am 9. Februar Geburtstag hat. Geschenke von seinem Kumpel dürfte er nicht erwarten, das ist klar.