9374 Kilometer durch die Wüsten Südamerikas

Am Sonntag beginnt die Rallye Dakar – diesmal ohne das Hamburger HS-Team

Rosario. Ein Höllenritt über 9374 Kilometer durch Sand und Geröll erwartet die Fahrer bei der Rallye Dakar, dem traditionsreichen Geländeabenteuer durch Südamerika. Rund 720 Fahrzeuge gehen an diesem Sonntag im argentinischen Rosario zur ersten der 13 Etappen an den Start. Die 36. Auflage der Materialschlacht endet am 18. Januar in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso, wenn die verbliebenen Teams das Ziel erreichen.

„Die Dakar ist eines der letzten großen Abenteuer“, sagt Teamchef Sven Quandt vom hessischen X-Raid-Rennstall, für das der französische Vorjahrssieger Stéphane Peterhansel und der 2011-Gewinner Nasser Al-Attiyah aus Katar erneut im Mini All4 fahren. Auch zwei Deutschen werden Chancen auf den Gesamtsieg eingeräumt: Dirk von Zitzewitz als Beifahrer des südafrikanischen Mitfavoriten Giniel de Villiers (Toyota) und Timo Gottschalk als Kopilot des Spaniers Carlos Sainz (Buggy). „Es ist ein irres Abenteuer“, meint Gottschalk. „Die zwei Wochen sind so hart, dass ins Ziel zu kommen, die größte Belohnung ist, nicht der Sieg.“

Auch Rekordsieger Peterhansel (fünf Auto-, sechs Motorraderfolge) hat schon die Schattenseiten der Wettfahrt erlebt. 1988, noch in Afrika, verlor er die Orientierung und verirrte sich in der Wüste. Eine Nacht harrte er aus, bis ihm Dorfbewohner mit zwei Liter Sprit aushalfen. Die Rallye ist zwar sicherer geworden, dennoch meint Peterhansel: „Wir haben es fast jeden Tag mit neuen Streckenbedingungen zu tun. Wir können nichts planen.“

Die Rallye Dakar, die seit 2009 nicht mehr in Afrika, sondern in Südamerika ausgetragen wird, ist schon lange kein reines Sportspektakel mehr. Während Autos, Lastwagen und Motorräder durch Wüsten und Steppen jagen, werden immer auch politische Dimensionen deutlich. So drohen an einzelnen Etappen regelmäßig Interessengruppen die Strecke zu blockieren. Und das Risiko fährt mit. Regelmäßig werden Todesopfer unter Teilnehmern und unbeteiligten Zuschauern vermeldet.

Nicht am Start sind diesmal der Hamburger Thomas M. Schünemann und Fahrer Matthias Kahle (Köln) vom HS-RallyeTeam. Weil die Generalprobe der Marokko-Rallye im Herbst wegen technischer Probleme enttäuschend verlief, verzichtete Schünemann auf eine Fortsetzung des Dakar-Projekts mit dem SAM-Mercedes. Erst im kommenden Jahr ist wieder ein Einsatz geplant. Im vergangenen Jahr hatten Kahle/Schünemann bei der Dakar noch den 13. Platz belegt, 2011 fuhren sie als Zehnte ihr bestes Ergebnis heraus.