Menschlich gesehen

Neuer Aufschlag

Es ist ganz plötzlich eine völlig unverhoffte Chance. Die Gelegenheit, all die Geschichten und Gerüchte über das Privatleben, das Aussehen, den beruflichen Niedergang, den Wandel vom Helden zum gefühlten Dschungel-Camp-Aspiranten hinter sich zu lassen. Und wieder im Sport für Schlagzeilen zu sorgen. Dort, wo Boris Becker hingehört, dort, wo alles begann. Er wird neuer Cheftrainer des sechsmaligen Grand-Slam-Champions Novak Djokovic.

Gerade noch haben wir über Beckers Mütze in der Pocher-Show gelacht und uns gefragt: Warum? Djokovic aber hat die Sendung wahrscheinlich nicht gesehen. Oder es interessierte ihn nicht. Der serbische Weltranglisten-Zweite erinnerte sich eher an den charismatischen Wimbledonsieger von einst, der mit Ehrgeiz, Willen und Siegermentalität brillierte und alle mitriss. Vielleicht hat er auch mit seinem ehemaligen Trainer Niki Pilic gesprochen, der den Spieler Becker als Kapitän zu zwei Daviscup-Siegen coachte.

Selten hielt Becker einen Job lange durch. Er suchte und versuchte Aufgaben, seit er 1999 seine aktive Karriere beendete. Zwei Jahre betreute er das deutsche Daviscup-Team. Aber nie hat der 46-Jährige als Trainer gearbeitet. Dass er aber weiß, wie man Spiele gewinnen kann, auch im Kopf, ist unbestritten. Und einen Topspin muss er Djokovic auch nicht mehr beibringen.

Boris Becker hat eine unglaubliche Chance, er muss sie nur nutzen.