Volleyballteam Aurubis will im Europapokal Spielpraxis sammeln

Hamburg. Viel Zeit, um die 0:3-Niederlage im Pokalviertelfinale beim Dresdner SC zu analysieren, blieb Helmut von Soosten nicht. Am Dienstagmorgen um fünf Uhr waren die Bundesliga-Volleyballerinnen des VT Aurubis und ihr Cheftrainer aus Sachsens Landeshauptstadt nach Hamburg zurückgekehrt, doch ihr Blick richtete sich sofort auf die nächste Aufgabe. Diese wartet an diesem Mittwoch (20 Uhr/CU-Arena), wenn im Zweitrundenhinspiel des europäischen Challenge Cups der slowakische Vizemeister Doprastav Bratislava zu Gast ist.

Die Vermutung, dass angesichts der Bilanz in der Bundesliga, in der Aurubis nach sechs Spielen ohne Sieg das Tabellenende ziert, der internationale Auftritt nachrangig behandelt würde, trügt. „Wir haben ein junges Team, das in jedem Spiel dazulernt. Deshalb bin ich über jede Form von Spielpraxis dankbar und freue mich, wenn ich Dinge ausprobieren kann, die nicht gleich Punkte kosten“, sagt von Soosten.

Nachdem der Verein bei seiner Europapokal-Premiere in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale des Challenge Cups vorgestoßen war, bremst der Trainer für diese Spielzeit zu hohe Erwartungen. „Wir werden sicherlich nicht so locker durchmarschieren wie im Vorjahr“, sagt er. Schon der slowakische Kontrahent, der Aurubis am kommenden Dienstag zum Rückspiel empfängt, sei ein Gegner, der auf Augenhöhe agiere. „Bratislava ist in allen Grundtechniken sehr solide und macht wenige Fehler. Ich denke, dass sie Bundesliganiveau haben“, sagt von Soosten, dessen Team dieses Niveau bislang nicht konstant nachweisen konnte.

Dass das sportlich nicht qualifizierte VT Aurubis überhaupt in den Challenge Cup, hinter der Champions League und dem CEV-Pokal der drittwichtigste europäische Vereinswettbewerb, nachrücken konnte, war dem Rückzieher anderer deutscher Clubs geschuldet, die die finanzielle Belastung scheuten. Der Europapokal ist ein Zuschussgeschäft, die Auswärtsreisen müssen über Zuschauer- und Sponsorengelder gedeckt werden. In der vergangenen Saison hatte Namensgeber Aurubis dafür noch einen Extrabetrag bereitgestellt. Diesen gibt es in dieser Saison nicht. „Es war eine alleinige Entscheidung unseres Präsidenten, dass wir Hamburg wieder international vertreten sollen“, sagt von Soosten.

Präsident Horst Lüders träumt weiterhin davon, die CU-Arena zum Volleyballzentrum in Hamburgs Süden auszubauen, das nationale und internationale Strahlkraft besitzt. Dazu sind Auftritte im Europapokal die beste Werbung. Nun liegt es an der Mannschaft, dafür zu sorgen, dass die Slowakinnen nicht der letzte internationale Besuch der Saison bleiben.