Und plötzlich hat der Hamilton den Vettel ganz lieb

Britischer Formel-1-Star nimmt seine Attacken gegen den Deutschen via Twitter zurück

Suzuka. Ach, hätte er doch besser geschwiegen! Als „langweilig“ hatte Lewis Hamilton die Überlegenheit von Sebastian Vettel nach dessen Sieg am Sonntag in Südkorea bezeichnet und bekannt, dass er als Zuschauer das TV-Gerät ausschalten würde.

Das aber kann sicher nicht im Sinne seines Arbeitgebers Mercedes sein. Auch wenn die Silberpfeile keine WM-Chance mehr haben. Nach einer Nacht in Japan nahm Hamilton seine Nörgeleien über den deutschen Rivalen nun ganz plötzlich zurück. Ob aus Eigenantrieb oder per Stallorder, man weiß es nicht. Via Twitter schickte er eine Lobhudelei auf den Formel-1-Champion um die Welt. „Er ist ein toller Mensch, humorvoll und bescheiden. Er verdient jeden Erfolg“, schrieb Hamilton seinen 1,7 Millionen Followern.

Beim Großen Preis von Südkorea hatte sich das noch ganz anders angehört. Nicht Vettel, sondern der WM-Zweite Fernando Alonso sei „der Schnellste von allen“, hatte Hamilton zum wiederholten Mal im Interview versichert. Ganz unverhohlen verdächtigte er Vettels Red-Bull-Team, am Auto des WM-Spitzenreiters zu manipulieren. Nach dem achten Saisonsieg des Deutschen ätzte der 28-jährige Brite dann, Vettels Überlegenheit sei schlicht ermüdend. „Gewinnen wird nie langweilig“, konterte Red-Bull-Teamchef Christian Horner umgehend.

Auf der Reise zum 15. Saisonrennen in Suzuka erschreckte sich Hamilton über den Wirbel, den seine Aussagen verursacht hatten. „Ich fühle mich verpflichtet, meine Gedanken klarzustellen. Sebastian ist ein großartiger Champion“, tippte der Silberpfeil-Pilot eilig in sein Handy, nachdem er erstaunt die Berichte in den britischen Zeitungen gelesen hatte: „Ich bin einfach dankbar, in einer Ära mit so vielen tollen Fahrern wie ihm fahren zu dürfen.“

Dabei ist es kaum verwunderlich, dass der hessische Seriensieger für Hamilton eine Reizfigur ist. 2010 löste Vettel den Engländer als jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte ab. Seither räumt der Heppenheimer mit Red Bull alles ab. Zugleich ist Vettel der Gegenentwurf zum launischen Hamilton. Der eine feilt mit Mechanikern und Ingenieuren an jedem Zehntel, steht auf die Beatles und lebt zurückgezogen mit seiner langjährigen Freundin in einer umgebauten Schweizer Mühle. Der andere verlässt sich vor allem auf sein enormes Talent, gibt sich gern als Gangsta-Rapper und führt öffentlich eine turbulente On-off-Beziehung mit Popsternchen Nicole Scherzinger.

Unklar ist, ob Vettel die Komplimente seines Konkurrenten auch wirklich erreichen. Der 26-Jährige verweigert Facebook und Twitter. Aber wahrscheinlich ist ihm ohnehin egal, was Hamilton gerade sagt. Er kann am Sonntag beim großen Preis von Japan zum vierten Mal Weltmeister werden, das ist viel wichtiger.