Nachspiel

Was Katar 2022 verändern kann

Ein Kommentar von Rainer Grünberg

Drei Jahre nach der Vergabe der WM 2022 haben selbst führende Funktionäre des Weltfußballverbandes Fifa erkannt, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen im ausrichtenden Emirat Katar für große Teile der Bevölkerung beklagenswert sind, besonders die der ausländischen Hilfskräfte – wie übrigens in allen Staaten der superreichen Golfregion. Von modernem Sklaventum ist die Rede, auf den unzähligen Bauplätzen der Hauptstadt Doha soll es zahlreiche Tote gegeben haben. Falsch daran ist allein die Behauptung, dass die Unfälle auf WM-Baustellen passierten. Die gibt es nämlich noch gar nicht. Der erste Spatenstich eines WM-Stadions ist für Mitte Dezember geplant.

Dass das Thema jetzt an Dynamik gewinnt, hat mit der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees zu tun, das am 3.und 4. Oktober in Zürich die Causa Katar berät. Vor allem Engländer und Australier, die mit ihren Bewerbungen für 2018 und 2022 gescheitert waren, hoffen auf eine Neuausschreibung der Titelkämpfe in neun Jahren und machen entsprechend Stimmung.

Dass sich nun ausgerechnet die Fifa als Hüter der Menschenrechte aufspielen könnte, erscheint angesichts der Vergangenheit der Organisation absurd. Geld stinkt nicht, heißt ihr bis heute gewinnbringendes Motto. Dessen Herkunft hat die Riege um Fifa-Boss Sepp Blatter nie interessiert. Dabei wäre es für den Verband ein Leichtes gewesen, bei der Vergabe seiner Weltmeisterschaften Mindeststandards zu setzen, die Bauarbeiter vor systematischer Ausbeutung schützen und gewisse soziale Bedingungen festschreiben. Für Südafrika 2010, Brasilien 2014, Russland 2018 und Katar 2022 ist das unterblieben. Sollte sich das ändern, hätte der WM-Zuschlag für Katar doch etwas Gutes.