Nachspiel

Britta Steffens Rücktritt ist eine Chance

Ein Kommentar von Rainer Grünberg

Wenn eine Große des deutschen Sports abtritt, ist dies stets auch mit Wehmut verbunden. Schließlich sind die Stars hierzulande rar gesät, und die Berliner Schwimmerin Britta Steffen war eine aus der allerersten Reihe: Olympiasiegerin 2008 in Peking über 50 und 100 Meter Freistil, ein Jahr später in Rom Weltmeisterin und Weltrekordlerin über diese Strecken. Jetzt hört sie mit 29 Jahren auf, weil sie seit vier Jahren ihrem Ruhm hinterherkrault. Nun kann man über den richtigen Zeitpunkt eines Rücktritts immer trefflich streiten, doch die Hoheit über diese Lebensentscheidung gebührt den Sportlern ganz allein. Sie sollte über jede Kritik und vor allem jede Art von Häme erhaben sein.

Steffens Abschied bietet dem deutschen Schwimmsport die Chance für einen Neubeginn. Zu lange haben dieselben Typen das Gesicht der Nationalmannschaft geprägt und ein offenbar bedrückendes Klima geschaffen, das Insider zuletzt als leistungstötend empfanden. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre lassen vermuten, dass sie mit ihrer Einschätzung richtig lagen. Weder bei den Olympischen Spielen 2012 noch bei der WM in diesem Juli in Barcelona war die Mehrzahl der deutschen Schwimmer zum Saisonhöhepunkt in Höchstform.

Wenn es überhaupt eine Nachfolgerin für die beste deutsche Schwimmerin seit dem Ende der DDR geben kann, ist sie in den Nachwuchskadern zu suchen. Die müssen jetzt verstärkt bei internationalen Meisterschaften auf den Startblock – auch um den Preis, dass die Medaillenflaute die nächsten Jahre anhält. Schlechter kann es schließlich kaum werden.