Viele Fragezeichen vor dem EM-Start der Volleyballer

Gdingen. Nach der umjubelten Silbermedaille der deutschen Volleyballerinnen vor heimischem Publikum starten nun auch die Männer in ihre EM-Mission. Doch von „Projekt Gold“ kann bei der Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen keine Rede sein. Die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) reist mit einigen Problemen im Gepäck zum Turnier in Dänemark und Polen. Die DVV-Crew will in erster Linie Wiedergutmachung für die Blamage von Tschechien von vor zwei Jahren betreiben. Unter dem damaligen Coach Raúl Lozano wurden die Deutschen als 15. nur Vorletzter.

Seit Februar 2012 ist nun der Belgier Heynen am Ruder. Vor dem schwierigen Startschuss am Freitag (17 Uhr/Sport1) im polnischen Gdingen gegen EM-Favorit und Olympiasieger Russland weiß er gar nicht so recht, wo seine Mannschaft steht. „Physisch entwickelt sich die Mannschaft, wir sind aber noch kein echtes Team“, beschrieb der Mann aus Maaseik die Schwierigkeiten beim Teambuilding. Angesichts nur begrenzter Vorbereitungszeit habe seine Auswahl noch nicht richtig zusammenwachsen können.

Schon mit Blick auf Olympia 2016 in Rio de Janeiro hat der Coach seine Mannschaft umgebaut. Nach dem fünften Platz bei den Spielen 2012 in London hieß es: Alte raus, Junge rein. Fünf EM-Debütanten stehen im Kader. „Jeder sucht noch seinen Platz“, sagte Heynen, der viel auf Eigenverantwortung und Teamgeist setzt und mit den letzten beiden Tests gegen Italien (3:2 und 3:0) zufrieden sein konnte.

Als wunder Punkt hat sich der Diagonalangriff erwiesen. Kapitän Jochen Schöps droht wegen einer Bauchmuskelverletzung nicht nur für das Russland-Duell, sondern auch für die weiteren Gruppenpartien am Sonnabend (15 Uhr) gegen den Weltranglistenneunten Bulgarien und am Sonntag gegen Emporkömmling Tschechien (15 Uhr/beide Sport1) auszufallen. Immerhin ist nach seiner Schulteroperation Georg Grozer wieder mit dabei. Doch der 28 Jahre alte Weltklasse-Diagonalangreifer vom russischen Meister Belogorie Belgorod braucht noch Zeit. „Seine vier Monate Pause steckt er nicht so schnell weg“, sagte Heynen.

Über Ziele wollte der Bundestrainer angesichts der Fragezeichen nur bedingt reden. „Es besteht die Möglichkeit, dass es nicht gut läuft“, meinte er. Im Hinterkopf hat der 43-Jährige aber auch die Hoffnung, eine Riesenüberraschung zu schaffen und erstmals mit den Männern eine Medaille zu holen. Mit Blick auf die schwere Vorrundengruppe sagte er: „Solche Spiele sind für die Entwicklung junger Leute gut. Ich liebe Herausforderungen.“