Marcel Kittel setzt Erfolgsserie bei der Tour de France fort

Fünf deutsche Etappensiege sind das beste Ergebnis bei der Frankreich-Rundfahrt seit 1977

Tours. Die Franzosen warten bei der 100. Auflage ihrer Tour immer noch auf den ersten Tagessieg und blicken gleichzeitig ein wenig neidisch nach Deutschland. Marcel Kittels Triumph auf dem 12. Teilstück über 218 km von Fougères in die Sprint-Hochburg Tours war am Donnerstag bereits der fünfte Etappensieg eines deutschen Fahrers und der dritte in Folge. Kittel triumphierte schon zum dritten Mal, auch Tony Martin und André Greipel trugen ihren Teil zur erstklassigen Bilanz bei.

„Ich hoffe, dass diese Erfolge den Radsport in Deutschland pushen“, sagte Martin am Mittwoch nach seinem Sieg im Einzelzeitfahren. Fünf Etappensiege bedeuten die zweitbeste deutsche Bilanz bei der Frankreich-Rundfahrt. Nur 1977 gelangen Didi Thurau (5) und Klaus-Peter Thaler mit einem Sieg ein besseres Ergebnis. Die deutsche Erfolgsgeschichte 2013 löste auch teamübergreifend Freude aus. „Ich bin auch stolz auf die Siege meiner Kollegen“, sagte Martin mit Blick auf die beiden Topsprinter Greipel und Kittel, der für einen Tag sogar in Gelb fahren durfte.

ARD und ZDF sind wegen des Dopingproblems im Radsport seit der Tour 2012 jedoch nicht mehr live dabei – und dabei soll es auch bleiben. „Es gibt keine Pläne, zu einer Live-Berichterstattung zurückzukehren“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Die Skandale hatten die Einschaltquoten sinken lassen.

Durch die jetzigen Erfolge spekuliert Martin aber auf ein Umdenken: „Ich hoffe, dass unsere Leistungen dazu beitragen, dass die Fans, die unserem Sport den Rücken zugedreht haben, zurückkehren.“ Wie Kittel und Greipel spricht er sich auch deshalb explizit gegen Doping aus. Das ist neben den Erfolgen Teil ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Der älteste Tourteilnehmer Jens Voigt hofft auf eine Rückkehr von ARD und ZDF „in zwei bis drei Jahren“.

Allerdings darf sich der Radsport hierzulande nicht in Sicherheit wiegen. Martin, Kittel und Co. fahren alle in ausländischen Teams, weil es seit 2010 (Milram) keinen erstklassigen deutschen Rennstall mehr gibt. Zudem sind sie ein Produkt des Booms, den der Toursieg von Jan Ullrich 1997 ausgelöst hatte. Die Dopingskandale haben die Nachwuchsarbeit jedoch erschwert. „In fünf Jahren gibt es ein großes Loch“, fürchtet Gerald Ciolek, der Sieger von Mailand-San Remo.