„Die Konkurrenz nimmt zu“

Hamburgs Renn-Club-Chef Eugen-Andreas Wahler über die Zukunft des Galoppderbys

Hamburg. Am Sonnabend startet die Derbywoche der Galopper in Hamburg-Horn. Höhepunkt der sechs Veranstaltungstage ist das Sparda 144. Deutsche Derby am 7. Juli. Eugen-Andreas Wahler, 63, ist seit 2001 Präsident des Hamburger Renn-Clubs (HRC). Der Rechtsanwalt und Notar, selbst ein erfolgreicher Amateurrennreiter und Champion, spricht im Abendblatt über die Zukunft des Derbys und seinen ganz persönlichen Tipp.

Hamburger Abendblatt:

Herr Wahler, vor knapp einem Jahr wollte das Galopper-Direktorium das Derby in eine andere Stadt vergeben. Haben sich die Wogen mittlerweile geglättet?

Eugen-Andreas Wahler:

Wir haben uns das eine oder andere durchaus zu Herzen genommen – und hätten uns ohnehin darum gekümmert. Am attraktiven Sport hat es nicht gelegen. Eine entscheidende Kritik war der fehlende Glanz im Umfeld des Derbys. Wir haben jetzt eine namhafte PR-Agentur engagiert, um daran zu arbeiten. Der Vorwurf mangelnder Fernsehpräsenz ging dagegen ins Leere – dieses Problem hat der gesamte deutsche Galopprennsport seit zehn Jahren. Umso wichtiger ist es, dass das ZDF diesmal überträgt.

Neben mangelhafter Präsenz in der Öffentlichkeit wurden auch die sinkenden Zuschauerzahlen beklagt. Was unternehmen Sie?

Wahler:

Das Freizeitverhalten hat sich gewandelt, die Konkurrenz nimmt zu. In einer Metropole wie Hamburg steht praktisch jedes Wochenende ein Riesenereignis auf dem Programm. Das alles kostet die Besucher Geld. Darüber jammern wir nicht, sondern halten dagegen. Unser Ziel ist es, immer besser zu werden. Zudem gehen wir neue Wege: Werbung via Facebook oder an Tankstellen zum Beispiel. Glücklicherweise haben wir diesmal keine Konkurrenz durch eine Fußball-WM oder -EM, wie sonst alle zwei Jahre.

Das Derby ist in Hamburg bis mindestens 2028 gesichert. Gibt es eine langfristige Finanzplanung?

Wahler:

Es gibt langfristig Hoffnung. Aber im Ernst: Fraglos haben sich die Wettumsätze als Finanzierungsinstrument des Pferdesports in Deutschland binnen zwei Jahrzehnten weit mehr als halbiert. Dennoch wird eine Menge getan, die Situation nach und nach zu verbessern. Mit German Tote und Racebets haben wir eigene Wettplattformen. Dadurch wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass erhebliche Mittel in den Rennsport zurückfließen und nicht auf Gibraltar oder anderswo landen. Davon profitiert auch Hamburg.

Dennoch hat der Hamburger Renn-Club im abgelaufenen Geschäftsjahr 145.000 Euro Minus verbucht. Man hangelt sich von Jahr zu Jahr. Haben Sie eine Perspektive?

Wahler:

Eines vorweg: Wir haben unsere Verpflichtungen immer bis auf den letzten Cent erfüllt. Das Minus ist ob der Rahmenbedingungen noch erstaunlich gering ausgefallen. Im Vergleich zum Jahr davor haben wir uns aufgrund massiver Sparmaßnahmen um fast 200.000 Euro verbessert. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass Vorstandsmitglieder privat in die Tasche gegriffen und geholfen haben. Nur reden wir darüber nicht so gerne. Allein die Anwaltskosten während der Auseinandersetzung mit dem Direktorium betrugen fast 60.000 Euro. Die Sponsoreneinnahmen sind gleich geblieben, was in heutigen Zeiten schon ein Erfolg ist. Wir beackern derzeit alle Felder.

Heil soll die Doppelrennbahn für Galopper und Traber in Horn bringen. Aber das kann nach aktuellem Stand noch Jahre dauern, wenn überhaupt...

Wahler:

Ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr eine Entscheidung fällt. Pro oder kontra.

Wie viele Zuschauer und welchen Wettumsatz streben Sie in diesem Jahr an?

Wahler:

Wenn das Wetter halbwegs mitspielt, erwarten wir insgesamt 70.000 bis 80.000 Besucher. Am Derbytag liegt unser Ziel bei 25.000, das wären gut zehn Prozent mehr als letztes Jahr. Unterm Strich drei Millionen Euro Wettumsatz, also in etwa so viel wie 2012, wären eine gute Basis. Wir sind hanseatische Kaufleute und kalkulieren vorsichtig. Es darf auch gern mehr werden.

Was bieten Sie dem Publikum abseits der Rennen?

Wahler:

Mit der Firma Nord-Event haben wir einen neuen Caterer als Partner – mit besserer Ausstattung und besserem Angebot. Durch Umbaumaßnahmen auf der Tribüne verlagern wir das gesellschaftliche Geschehen bewusst mehr dorthin. Zudem gibt es ein Kinderland mit starkem Programm. Und für nicht ausschließlich auf die Rennen fixierte Besucher sorgen wir in den Pausen zwischen den Starts für mehr Unterhaltung. Am Mittwoch nächster Woche kommt der komplette Kader der HSV-Fußballprofis auf die Bahn. An dem Tag haben wir auch freien Eintritt.

Und wer gewinnt das Derby?

Wahler:

Nach dem Eindruck aus dem Union-Rennen vor zwei Wochen ist Ivanhowe aus dem Gestüt Schlenderhan der große Favorit. Und natürlich drücke ich dem Hamburger Vollblüter Orsello als Außenseiter beide Daumen.