Fußball-Bundesliga

Heynckes emotionaler Abschied in seiner „Heimatstadt“

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Christian Kunz

Als Meistertrainer der Bayern darf sich Heynckes im Auswärtsspiel an dem Ort verabschieden, an dem er vor fast fünf Jahrzehnten das Licht der Liga-Welt erblickte - in Mönchengladbach.

München. Selbst mitten in der Vorbereitung auf das große Finale in der Champions League wies Jupp Heynckes auf einen emotionalen Fußball-Nachmittag in der Liga hin: Sein Abschiedsspiel - und das ausgerechnet gegen seine große Liebe. „Ich bin in Mönchengladbach als Spieler gestartet und groß geworden, hatte die Möglichkeit, ins Traineramt zu ziehen. Mönchengladbach ist meine Heimatstadt. Das ist kein normales Spiel für mich“, hob der 68-Jährige in dieser Woche vor der Weltpresse die Bedeutung hervor. „Eine Konstellation wie in einem Drehbuch. In Mönchengladbach, wo ich angefangen habe mit 19 Jahren als Profi und später auch als Trainer. So schließt sich der Kreis.“

Auch wenn Heynckes zu den Anfängen von Deutschlands Eliteliga 1963 noch mit Borussia Mönchengladbach in der Regionalliga West spielte - mehr Kind der Bundesliga geht fast nicht. Als torgefährlicher Stürmer für seinen Herzensclub Borussia Mönchengladbach war er der Inbegriff der legendären Fohlen-Elf, gewann Meisterschaften und Pokal, siegte im Uefa-Cup, wurde Welt- und Europameister. In Mönchengladbach startete er 1979 auch seine Trainer-Laufbahn, in der nach vielen Höhen, aber auch Tiefen in der Schlussphase des Wirkens die Krönung winkt: Der Triumph am 25. Mai in Wembley – und eine Woche später dann das Triple.

Und danach? In der Bundesliga gibt es nach der Station FC Bayern keine weitere, das Ausland schloss er ebenfalls schon aus. „Wenn ich 10, 15 Jahre jünger wäre, würde ich ganz profund an ein Engagement im Ausland denken“, sagte einer der prägendsten deutschen Trainer. In Spanien, wo er mit Real Madrid die Champions League gewann und bei Athletic Bilbao und CD Teneriffa Erfolge feierte, wird er aber nach wie vor umgarnt. Noch kokettiert Heynckes ein bisschen, aber bald darf er die Ruhe auf seinem heimischen Bauernhof genießen.

Zum 1010. Mal ist Heynckes am Sonnabend in der Bundesliga dabei, 369-mal war er es als Spieler, bislang 640 mal als Trainer. Nur Otto Rehhagel hat mehr Bundesliga-Einsätze (201+836=1037) vorzuweisen. Irgendwo sei das schon „bekloppt“, immer noch dabei zu sein, hatte Heynckes zum Start dieser für ihn bewegenden Saison geäußert. Dass er gegen Ende seiner langen Karriere an einem großen Denkmal für sich baut, war da nicht abzusehen. Heynckes könne „etwas Historisches schaffen“, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor wenigen Tagen bei der Meisterfeier. Jeder wünsche ihm, dass er „diese Geschichte des FC Bayern neu schreibt“.

Rummenigge wiederholte dabei, dass die Tür beim FC Bayern Heynckes, den er kurzerhand vom rheinischen Jupp zum bayerischen „Sepp“ erklärte, immer offen stehen werde. Ein ähnliches Angebot hatte der Coach aber schon vor einiger Zeit ausgeschlagen. „Ich denke nicht, dass ich nach 50 Jahren als Spieler und Trainer irgendwo ein Funktionärsamt annehmen werde. Das ist nicht meine Welt“, betonte er seinerzeit und verriet, dass er auch einmal das Vizepräsidentenamt bei „meinem Verein Borussia Mönchengladbach“ abgelehnt hatte.

Doch auch bei dem innig geliebten Gladbacher Verein erlebte er nicht nur schöne Stunden. Bei seiner zweiten Amtszeit reichte er 2007 nach nur sieben Monaten und anonymen Drohungen gegen sich seinen Rücktritt ein. Stilvoll wie immer zeigte er sich damals beim Abschied: Den Dienstwagen stellte er gewaschen und vollgetankt wieder ab.

Lobeshymnen gab es dieser Tage jede Menge für den 68-Jährigen – in den kommenden zwei Wochen werden noch viele folgen. Bei der offiziellen Meisterfeier bekam Heynckes von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer den Bayerischen Löwen verliehen, den sonst nur „höchstrangige Staatsgäste“ erhalten. „Ich kann ihnen nur meine tiefe Verehrung aussprechen. Dass, was sie in der Fußballwelt abgeliefert haben, ist beispiellos. Sie haben sich zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt“, erklärte der Politiker – und sah Heynckes gar „für jedes höhere Staatsamt geeignet“.