"Hölle" am Stadtrand

Football: Die Hamburg Blue Devils wollen dem Billtalstadion neues Leben einhauchen.

Hamburg. Um zur Hölle zu fahren, müssen Hamburgs Footballfans künftig eine neue Route einplanen. Die Blue Devils wollen ihre Heimspiele in der im Mai beginnenden GFL-Saison im Billtalstadion austragen, mit 30 000 Zuschauern Kapazität die zweitgrößte Arena der Stadt. Über einen entsprechenden Antrag beriet gestern der Sportausschuß, die Bezirksversammlung muß am 27. Januar noch zustimmen.

"Damit sind wir dem Ziel eines eigenen Stadions einen entscheidenden Schritt näher gekommen", freut sich Blue-Devils-Geschäftsführer Karsten Peter Steffens. Der Vertrag mit dem Millerntorstadion, das der viermalige deutsche Meister bislang für mehr als 11 000 Euro pro Spiel gemietet hat, läuft Ende Januar aus. Das Billtalstadion, auf dessen Fußball-Grandplatz einst der ASV Bergedorf 85 dem großen HSV die Stirn bot und das heute nur noch vom Kreisligaklub BFSV Atlantik 97 und für die Schulleichtathletik genutzt wird, wären die Teufel Herr im Haus.

Und das sogar mietfrei. Gegenleistung sind Investitionen in die Infrastruktur. Während das Sportamt für die Verlegung eines (Kunst- oder Echt-)Rasens sorgt, kommen die Footballer für TV-gerechtes Flutlicht, eine Tribüne mit 5000 bis 7000 Sitzplätzen sowie sanitäre Anlagen auf. Da es am Stadion keinerlei Parkplätze gibt, wird am Spieltag ein Shuttle vom Frascati-Platz über den Bergedorfer ZOB eingerichtet.

Allerdings gibt es Bedenken, daß es nach dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf ein böses Erwachen geben könnte. Die prominente Anliegerschaft im Villenviertel soll deshalb auf einer Informationsveranstaltung auf mögliche Unannehmlichkeiten durch Lärm vorbereitet werden. "Wir müssen die Anwohner überzeugen, daß es nicht um eine Krawall-, sondern um eine Familienveranstaltung geht", sagt Bezirksamtssprecher Otto Steigleder. An mindestens sechs, inklusive Play-off maximal acht Sonnabenden soll gespielt werden, an Stelle des gestrichenen Interconference-Spiels gegen die Franken Knights (keine Lizenz) ist ein Vorbereitungsspiel geplant. Trainingsstätte bleibt der Hemmingstedter Weg, wo die Devils einen zweiten Platz bekommen sollen. Wenn es nach dem Bezirk geht, finden künftig auch Kulturveranstaltungen im Billtalstadion statt.

  • Jack Bicknell, Headcoach des neuen Profiteams Hamburg Sea Devils, gewann als Assistenztrainer des Südteams durch ein 24:21 über den Norden den Villages Gridiron Classic, einen traditionellen Vergleich zweier College-Auswahlmannschaften.

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