Hürdenlauf

Sturz an der ersten Hürde: Drama um Liu Xiang

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Von Patrick Storzer

Liu war nach acht Schritten mit dem linken Fuß in die erste Hürde getreten und hatte dabei eine Verletzung am rechten Fuß erlitten. Vier Jahre nach dem Drama von Peking war Liu Xiang erneut ein tragischer olympischer Held.

LONDON. Liu Xiang hüpfte auf seinem linken Bein die komplette Strecke entlang, küsste die letzte Hürde auf seiner Bahn vier und überquerte unter dem Jubel der 80.000 Zuschauer die Ziellinie. Dann mussten Jackson Quinonez und Andrew Turner Chinas Superstar stützen, um ihn schließlich in einen Rollstuhl zu setzen. Liu war nach acht Schritten mit dem linken Fuß in die erste Hürde getreten und hatte dabei eine Verletzung am rechten Fuß erlitten. Vier Jahre nach dem Drama von Peking war Liu Xiang erneut ein tragischer olympischer Held.

2008 in seiner Heimat sollte der heute 29-Jährige das Gesicht der Spiele werden, doch eine hartnäckige Verletzung der rechten Achillessehne stoppte den Athen-Olympiasieger. Nach einem Fehlstart, den ein Konkurrent verursacht hatte, trat Liu in seinem Vorlauf nicht mehr an. Mit seinen Tränen rührte er das Reich der Mitte.

Der 1,90 m lange Hürdensprinter war als erster chinesischer Sportler zeitgleich Olympiasieger (2004), Weltmeister (2007) und Weltrekordler (2004 bis 2008/12,88 Sekunden). Aber spätestens nach Peking war seine Karriere auch eine schier endlose Leidensgeschichte. Mehr als ein Jahr musste Liu nach seiner Achillessehnen-Operation pausieren, noch länger dauerte die Rückkehr in die Weltspitze. Vor knapp einem Jahr bei der WM im südkoreanischen Daegu meldete sich Liu dann zurück und gewann hinter dem Amerikaner Jason Richardson Silber - unter anderem deshalb, weil sein Dauerkonkurrent, Weltrekordler Dayron Robles aus Kuba, der als Erster über die Linie gelaufen war, disqualifiziert wurde. Robles hatte ausgerechnet Liu behindert.

In dieser Saison war Liu zurück auf der großen Bühne. Er gewann in der Königsklasse der Leichtathletik, der Diamond League, die Rennen in Shanghai und Eugene/USA und lief in 12,97 Sekunden auf den zweiten Platz der Jahres-Weltbestenliste.

Wegen der andauernden Regenfälle und der niedrigen Temperaturen in London hatte Liu vor Beginn der Spiele das Trainingscamp am Mary’s University College in Twickenham verlassen und stattdessen in Düsseldorf traniert. Zuvor hatte er wegen Rückenproblemen auf das Finale des Londoner Diamond-League-Meetings verzichten müssen, aber schnell Entwarnung gegeben. „Ich werde zu den Olympischen Spielen zurück sein“, sagte Liu. Mit ihm kehrte auch sein Olympia-Fluch zurück.

(SID)

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