Amateurmeisterschaften abgesagt

Rückschlag für das olympische Boxen in Hamburg

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Björn Jensen

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Im Dezember sollten die Amateur-Boxer die deutschen Meisterschaften in Hamburg austragen. Jetzt wurde die Veranstaltung abgesagt.

Hamburg. Rückschlag für das olympische Boxen in Hamburg: Die im Dezember in der Sporthalle geplanten deutschen Amateurmeisterschaften werden nicht stattfinden. Diese Entscheidung traf der Vorstand des Deutschen Boxsportverbands (DBV) auf seinem Kongress am Sonnabend in Worms. Hauptgrund für die Absage: Jimmy Jamal Abboud, Präsident des Hamburger Amateurboxverbands (HABV), hatte sich geweigert, den Grundlagenvertrag mit dem DBV zu unterschreiben. „Herr Abboud wollte die Meisterschaften zu seinen Bedingungen durchführen, er hat den Standardvertrag abgelehnt und uns einen von ihm ausgearbeiteten Kontrakt vorgelegt mit der Maßgabe, nur auf dessen Grundlage die Meisterschaft zu veranstalten. Dem konnten wir nicht zustimmen“, sagt DBV-Präsident Jürgen Kyas.

Unter anderem hatte Abboud die Veranstaltung von der Sporthalle in die Verbandshalle am Braamkamp verlegen wollen, weil er fürchtete, in Alsterdorf zu wenige Zuschauer anzuziehen und dadurch finanzielle Einbußen zu erleiden. „Wir haben aber gewisse Standards, schließlich wollen wir unseren Sport nach oben entwickeln. Die Halle am Braamkamp entspricht nicht den geforderten Standards“, sagt Kyas. Abboud habe noch am Sonnabendabend einzulenken versucht und sei bereit gewesen, zu DBV-Konditionen zu unterschreiben. „Aber diese Hinhaltetaktik war uns zu unsicher“, sagt Kyas.

Der DBV versucht nun, kurzfristig einen Ersatzausrichter zu finden, um die nationalen Titelkämpfe zu sichern. „Ich hatte mich selbst für Hamburg stark gemacht, umso enttäuschter bin ich. Aber in diesem Kampf gibt es leider nur Verlierer, der größte ist der Sport, dessen Ruf einmal mehr leidet“, sagt Kyas. Abboud, der in einem Interview im Vorfeld des Kongresses die Ablösung des Präsidenten gefordert und einen Aufstand der Landesverbände angekündigt hatte, sei mit diesem Anliegen jedoch gescheitert. „Er hat eine herbe Niederlage erlitten“, sagt Kyas.

Abboud ist sich dagegen keiner Schuld bewusst. „Wir hatten einen Vertrag unterschrieben, der identisch mit dem war, den Oldenburg vor einigen Jahren als Ausrichter hatte. Das hat der DBV nicht akzeptiert. Wenn wir die Meisterschaften ausrichten sollen, muss man uns entgegenkommen, das ist nicht passiert. Deshalb habe ich die Austragung abgelehnt.“ Der HABV bemühe sich nun um ein Ersatzturnier. Abboud träumt davon, die Nationalstaffel Kubas für einen Länderkampf nach Hamburg zu holen.

Ein Problem droht nun allerdings auf den Hamburger Verband zuzukommen. Die Stadt Hamburg hatte bereits rund 30.000 Euro Fördergelder für die Ausrichtung der deutschen Meisterschaften überwiesen, die laut Abboud in den Umbau der Verbandshalle am Braamkamp investiert wurden. Ob das Geld nun, da die Titelkämpfe nicht in Hamburg stattfinden, zurückgezahlt werden muss, ist unklar. Sportsenator Michael Neumann (SPD) wurde am Sonntag von der Entwicklung überrascht. „Ich weiß nicht, welche Zahlungen bereits geleistet wurden, werde mich am Montag sofort um Klärung bemühen und die Gespräche mit allen Beteiligten suchen, um den Imageschaden für den Hamburger Sport abzuwenden“, sagte er.

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