Deutscher Olympischer Sportbund

Präsident Bach: "Wir halten uns an die Zehn Gebote"

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Rainer Grünberg

Olympia-Sportbund-Präsident Thomas Bach spricht über die Winterspiele 2018 und eine mögliche Hamburger Olympia-Bewerbung.

Bremen. Thomas Bach, 57, kämpft. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) möchte die Olympischen Winterspiele und Paralympics 2018 nach München, Schönau am Königssee und Garmisch-Partenkirchen holen. Am 6. Juli entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC), dessen Vizepräsident Bach ist, im südafrikanischen Durban zwischen den Bewerbern Pyeongchang (Südkorea), Annecy (Frankreich) und eben München. Laut verschiedener Meinungsumfragen befürworten zwischen 73 und 75 Prozent der Bundesbürger mögliche Spiele in München, nach 61 Prozent im Herbst vergangenen Jahres. In Südkorea beträgt die Zustimmung 93 Prozent. "Das IOC schickt seine Athleten am liebsten dorthin, wo sie auch willkommen sind", sagt Bach, der sich in Bremen mit den Präsidenten der Landessportbünde traf.

Abendblatt: Herr Bach, als langjähriges Mitglied des IOC haben Sie schon an zahlreichen Abstimmungen über Austragungsorte Olympischer Spiele teilgenommen. Von welcher Art Argumenten der Bewerber haben Sie sich bei Ihren Entscheidungen leiten lassen?

Thomas Bach: Für mich zählte stets, was zum gegebenen Zeitpunkt der beste Austragungsort war, um die olympische Idee voranzubringen.

Und warum wäre das 2018 Ihrer Meinung nach München?

Bach: Weil der Wintersport nach Hause kommt. Zu einem enthusiastischen, regelkundigen wie fairen Publikum, das auch den Letzten begeistert feiert. An Sportstätten, die sich bei zahlreichen Weltmeisterschaften bewährt haben. In ein Land, das sich bei der Organisation großer Sportereignisse ausgezeichnet hat. München 2018 besticht durch Nachhaltigkeit, weil der Großteil der Anlagen seit Jahren - viele seit den Sommerspielen 1972 - steht und genutzt wird. Und vor allem auch durch Umweltfreundlichkeit, weil es keine unumkehrbaren Eingriffe in die Natur geben wird und zusätzlich 100 Millionen Euro in ein umfangreiches Umweltkonzept fließen. Die Bewerbung ist einzigartig.

Pyeongchang, der mutmaßlich größte Konkurrent Münchens, wirbt mit der Erschließung des riesigen asiatischen Marktes für den Wintersport. Dieses Argument hat das IOC meist überzeugt.

Bach: Es ist uns aufgrund der Regularien des IOC verboten, über Konkurrenten zu reden. Deshalb nur eine Anmerkung: Die ausgezeichneten Winterspiele 1998 im japanischen Nagano haben auf dem asiatischen Markt keine erkennbaren Spuren hinterlassen.

Der Fußballweltverband Fifa, mit 2018 Russland und 2022 Katar, und das IOC, mit 2014 Sotschi und 2016 Rio de Janeiro, vergaben die Spiele in Regionen, in denen sie neue Marktchancen sahen.

Bach: Fußball-Weltmeisterschaften und Olympische Spiele sind nicht zu vergleichen. Olympische Spiele sind eine Vielzahl von Weltmeisterschaften an einem Ort, sie stellen ganz andere, noch höhere Ansprüche an die Organisation. Was Sotschi und Rio betrifft, waren es die richtigen Entscheidungen zum jeweiligen Zeitpunkt. Die olympische Idee lebt von ihrer Universalität. Neue Regionen, neue Zielgruppen zu erschließen ist eine der wichtigsten strategischen Aufgaben des IOC. Aber man kann nicht ständig zu neuen Ufern aufbrechen, man muss auch mal Halt machen, durchatmen und Kraft tanken. Es muss eine Mischung aus Neuem und Bewährtem geben.

Was passiert, wenn sich die Bürger von Garmisch-Partenkirchen, dem geplanten Austragungsort der Skiwettbewerbe, am 8. Mai in einer Abstimmung gegen München 2018 entscheiden?

Bach: Nach allem, was ich höre, erwarte ich ein positives Votum. Es wird endlich die notwendige Klarheit schaffen, die der Bewerbung einen zusätzlichen Schub geben wird. Mit allem anderen beschäftige ich mich nicht. Wir haben in Garmisch-Partenkirchen gerade begeisternde Ski-Weltmeisterschaften erlebt, da war keine Stimmung gegen Olympia zu spüren. Die Bedenken der Bürger nehmen wir sehr ernst, doch wir sind überzeugt, dass alle Menschen in der Region von den Spielen profitieren werden.

Großereignisse und größere Veränderungen stoßen in Deutschland zunehmend auf Widerstand der Bevölkerung. Was läuft da falsch? Die Kommunikation?

Bach: Das mag in dem einen oder anderen Fall zutreffen. Oft werden von den Menschen vor allem die Risiken und nicht die Chancen neuer Projekte gesehen. Olympische Winterspiele und Paralympics in München aber sind eindeutig eine großartige Chance für Deutschland, nicht nur für den Sport.

Olympiabewerbungen wie die von Berlin für 2000 und Leipzig für 2012 gehörten zuletzt nicht gerade zu den ruhmreichen Kapiteln des deutschen Sports. Was haben Sie daraus gelernt?

Bach: Eine Bewerbung muss erklären können, wie die olympische Bewegung von der Austragung der Spiele in der jeweiligen Stadt profitieren würde. Allein internationale Aspekte zählen deshalb, wenn Sie sich national auf einen Kandidaten festlegen, keine regionalen oder lokalen Interessen.

Über die erfolgreiche Kampagne des Deutschen Fußball-Bundes für die WM 2006 hat der ehemalige Fifa-Marketingmanager, der Schweizer Guido Tognoni, kürzlich gesagt, sie sei "nicht bibelfest" gewesen. Werden Sie sich für München an die Zehn Gebote halten?

Bach: Ja.

Mindern Sie damit nicht Ihre Chancen?

Bach: Nein.

Bei Ihrer letzten Präsentation in London haben Sie darauf hinweisen lassen, dass 50 Prozent der Sponsoren im internationalen Wintersport deutsche Unternehmen sind. Das könnte man doch als Drohung missverstehen .

Bach: Entschuldigen Sie, das ist absurd. Genau das Gegenteil ist der Fall. Das große Engagement deutscher Unternehmen ist ein weiterer Beweis für die herausragende Popularität des Wintersports in Deutschland. Bei den hohen Einschaltquoten und der zeitlichen Dauer der Übertragungen im Fernsehen dürfen die Firmen auf eine hohe Rendite ihres Investments hoffen. Das ist nur noch ein zusätzliches Argument, warum München der richtige Austragungsort für Winterspiele wäre.

Die Handelskammer Hamburg hat in einem Standpunktpapier zum Sport über eine Hamburger Bewerbung für Olympische Sommerspiele für die Jahre von 2028 an nachgedacht. Sie sollen über diesen Vorstoß not amused gewesen sein.

Bach:

Grundsätzlich freue ich mich jederzeit über jedes Interesse an der Austragung Olympischer Spiele. Es zeigt nur, wie vital die olympische Bewegung ist. Im Augenblick konzentrieren wir uns jedoch voll auf die Münchner Bewerbung, und wir freuen uns, dass der Hamburger Sportbund unsere Kampagne engagiert unterstützt.

Sollte München scheitern, werden Sie für 2022 eine neue Kandidatur vorbereiten?

Bach: Wenn man in einen Wettbewerb geht, will man ihn gewinnen. Alle anderen Gedanken haben da keinen Platz, sie wären nur kontraproduktiv. Wer als Sportler schon im Voraus an eine Niederlage denkt, der verliert auch.

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