Cyclassics

Das Doping-Unwetter ist vorbeigezogen

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Im 15. Jahr wähnen die Macher der Hamburger Cyclassics die Dopingkrise hinter sich. Titelsponsor Vattenfall macht bis 2012 weiter.

Hamburg. Ein paar Praxistipps hat Erik Zabel seinen Schützlingen, den Canyon Young Heroes, noch mit auf den Weg gegeben für die gestrige erste Etappe der Youngclassics im niedersächsischen Otter. Der frühere Star-Sprinter ist offiziell Mentor des Radnachwuchsteams, als Motivator aber wird er derzeit eigentlich nicht gebraucht: "Dieses Rennen war im vergangenen Jahr so ein tolles Erlebnis, dass alle unbedingt dabei sein wollten. Sogar der Ersatzmann ist mitgekommen."

Die U-17-Nachwuchstour ist seit einigen Jahren Teil des Rahmenprogramms der Vattenfall-Cyclassics. Das klingt nach einem notfalls verzichtbaren Beiwerk, doch das würde seiner Bedeutung kaum gerecht. Tatsächlich gäbe es ohne Veranstaltungen wie die Youngclassics, die Specialclassics für geistig und Mehrfachbehinderte und vor allem die Jedermannwettbewerbe auch das Protour-Rennen am Sonntag wohl gar nicht mehr. Es wäre wie viele andere deutsche Profiveranstaltungen der Dopingkrise zum Opfer gefallen.

So aber hat es Rainer Schubach, der scheidende Generalbevollmächtigte der Vattenfall Europe AG, nicht einmal schwer gehabt, seine Vorstandskollegen von einer Fortsetzung des Engagements zu überzeugen. Bis 2012 bleibt der Energieversorger Titelsponsor zuzüglich Option auf ein weiteres Jahr. Der Vertrag mit der Veranstaltungsagentur Upsolut wurde gestern vor der versammelten Presse unterzeichnet. "Notfalls hätten wir die Veranstaltung auch ohne Profis fortgesetzt", sagt Schubach.

+++ DIESE STRASSEN SIND GESPERRT +++

Der Notfall ist abgewendet, vorerst. Dass die Tour de France zuletzt ohne Dopingskandal auskam, lässt Upsolut-Geschäftsführer Frank Bertling "Licht am Ende des Tunnels" sehen. Man habe auch im 15. Jahr der Cyclassics wieder Sponsoren hinzugewinnen können, etwa den niederländischen Reiseanbieter Vacansoleil. Überhaupt strahlt das Rennen zunehmend in die Nachbarländer aus. Allein aus Dänemark reisen mehr als 500 Teilnehmer an, insgesamt sind 59 Nationen bei den Jedermannrennen vertreten. Das ist ebenso Rekord wie die Zahl von 85 Ausstellern, die von heute Nachmittag an bei der internationalen Fahrradmesse auf dem Rathausmarkt und am Jungfernstieg ihre Produkte vorführen. Auch dank der Standgebühren konnte das Gesamtbudget von zwei Millionen Euro gehalten werden. Bertlings Bilanz ist positiv: "Wir haben die Veranstaltung erfolgreich durch ein kleineres Unwetter geführt."

Eine gewisse "Verlangsamung bei der Nachfrage" lasse sich aber nicht abstreiten. Es dauert nicht mehr Stunden, sondern Wochen, um die 22 000 Startplätze an den Jedermann zu bringen. Da kommt der Zustrom ausländischer Teilnehmer gerade recht. Am Ende werden die Cyclassics wieder 25 Millionen Euro Umsatz in Hamburg hinterlassen. Dass sich auch die Politik in der Nach-von-Beust-Ära der Bedeutung des Ereignisses besinnt und der designierte Bürgermeister Christoph Ahlhaus den Startschuss fürs Eliterennen gibt, hat Bertling zufrieden registriert.

RADFAHRERINNEN GESUCHT

Umso mehr hadert er mit der Entscheidung des NDR, auf eine TV-Liveberichterstattung zu verzichten: "Zehn Jahre waren wir das beste Pferd im Stall, und wenn es ein bisschen kriselt, wird gleich die Tür zugeschlagen." Eurosport hat die Rechte übernommen. Die Bilder produziert Upsolut selbst. Eine lohnende Investition, wie Bertling findet: "Uns ist wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir ein bedeutendes Radrennen haben."