Klub und mehr Turniere - Stichs Pläne für den Rothenbaum

Hamburg. Wenn Michael Stich, 41, aus dem dritten Stock der Südtribüne in das Tennisstadion am Rothenbaum blickt, überkommt ihm manchmal schon ein bisschen Wehmut. "Wir müssen alles tun, um diese wunderbare Anlage zu erhalten", sagt Stich dann.

Er, der Turnierdirektor, arbeitet daran. Grundlage der Zukunftsfähigkeit des Rothenbaums ist das ATP-Turnier, das am nächsten Sonnabend mit der Qualifikation beginnt und am 25. Juli mit dem Finale endet. Titelverteidiger Nikolaij Dawidenko (Russland), der aktuelle Weltmeister, ist an Nummer eins gesetzt. Das Turnier, mit einer Million Euro Preisgeld dotiert, kostet trotz der 2008 erfolgten Herabstufung in die international dritte Kategorie immer noch 3,2 Millionen Euro. Mit dem Versorger E.on Hanse kommt gerade ein großer Sponsor aus der Region. "Wir hatten eine Menge positiver Gespräche, und mit Handelskammer-Präses Frank Horch auch einen nimmermüden Fürsprecher", sagt Stich im Gespräch mit dem Abendblatt, "aber am Ende brauchen wir auch mal ein Signal, dass das Geld wirklich kommt. Nur schöne Worte helfen am Ende nicht weiter."

Um den Mehrwert für die Unternehmen zu steigern, will Stich die Angebots-Palette erweitern. "Natürlich träumen meine Partner und ich davon, wieder in der Lage zu sein, Weltklassespieler wie Roger Federer und Rafael Nadal finanzieren zu können. Ein Plan, über den wir schon intensiv geredet haben, ist eine Doppel-Veranstaltung mit Herren- und Damenturnier. Erste Kontakte zur Damentennisorganisation WTA gab es bereits. Und ich würde auch gern zwei oder drei kleinere Challenger-Turniere am Rothenbaum austragen, um die Anlage öfter zu nutzen als für eine Woche im Jahr. Das würde auch helfen, den Sponsoren eine nachhaltigere Wirkung bieten zu können. Von der Mehrfachnutzung der Anlage für Konzerte, Messen oder andere Sportereignisse mag ich schon gar nicht mehr reden. Das ist ja ein zähes Thema, das schon lange Jahre schwelt." Auf Grundlage alter Verabredungen mit der Stadt und dem Bezirk Eimsbüttel sind bislang im Jahr nicht mehr als drei Wochen Tennis am Rothenbaum erlaubt, dazu zehn weitere Veranstaltungstage.

Um der Wirtschaft Tennis näherzubringen, hat Stich jetzt den Rothenbaum-Klub gegründet. Aufnahmebeitrag: 10 000 Euro. Die ersten Interessenten sind dem exklusiven Zirkel beigetreten. "Wir wollen mehr Leute ans Tennis heranführen", sagt er. Neben speziellen Konditionen am Rothenbaum will Stich den Mitgliedern Ausflüge in die Sportwelt bieten. Angedacht sind zum Beispiel Reisen nach Wimbledon oder zu den French Open nach Paris, möglicherweise auch zu den Olympischen Spielen 2012 nach London. Die Rolle des Reiseführers würde Olympiasieger Stich übernehmen. "Es ist ein mühsamer Prozess", sagt Stich, "aber es lohnt sich, für den Erhalt des Rothenbaums zu arbeiten."