Mehr deutsche Duelle im Profiboxen

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Der neue Universum-Berater Peter Hanraths will das sportliche Niveau in Deutschland steigern

Hamburg. Als Peter Hanraths vor einigen Wochen das Trainingszentrum des Profiboxstalls Universum in Lohbrügge betrat, da war das für ihn wie eine Befreiung. "In dem Moment habe ich gespürt, was mir die ganze Zeit gefehlt hat", sagt der 66-Jährige. Seit seinem Abschied als Geschäftsführer der einstigen Weltmeisterschmiede im Sommer 2005, den seine heute überwundenen Herzprobleme erzwungen hatten, war Hanraths im Profiboxen nicht mehr präsent gewesen. Seine Rückkehr als Berater, die der neue Universum-Chef Waldemar Kluch Anfang des Monats bekannt gab, hat Wellen geschlagen.

"Seitdem ich weiß, dass Peter zurück ist, sehe ich wieder Licht am Ende des Tunnels", sagt Trainer Michael Timm stellvertretend für viele Universum-Mitstreiter. Hanraths war zu seiner Zeit als Geschäftsführer Bindeglied zwischen dem damaligen Chef Klaus-Peter Kohl und den Sportlern, er verstand es, Stimmungen aufzunehmen und Probleme zu erkennen, bevor sie entstanden. Seinen Abgang betrachten viele Insider als den Anfang vom Ende des Kohl-Universums, das im Juli 2010 seinen TV-Vertrag mit dem ZDF verlor.

Hanraths, der zuletzt ein Recyclingunternehmen in der Ukraine aufbaute, freut sich still über die Lobeshymnen, aber sie sind ihm nicht wichtig. Sein Antrieb, nach Kohls Amtsübergabe an Kluch zurückzukehren, ist die Substanz, die noch immer in Universum steckt. "Es wäre traurig, wenn der einst stärkste Stall der Welt völlig zugrunde ginge", sagt er. Den Überblick über die Szene hat der Rheinländer nie verloren, und er hat eine Menge Ideen, die er nun umsetzen möchte.

Sein wichtigstes Vorhaben ist die Stärkung des deutschen Marktes, um Universum wieder für große Sender interessant zu machen. Um dies zu schaffen, möchte er Duelle mit Boxern aus anderen deutschen Ställen, vor allem vom derzeitigen Platzhirschen, dem Berliner Sauerland-Team, forcieren. Vor einigen Jahren seien diese Duelle daran gescheitert, dass jeder Promoter seinen eigenen TV-Partner hatte und befürchtete, seine Helden zu verlieren. "Doch wir müssen neu denken. Es gibt in Deutschland eine Übersättigung mit mittelmäßigen Kämpfen. Wenn wir ausgeglichene Duelle anbieten, haben wir ein Niveau, von dem alle profitieren. Und dann vereinbaren wir Rückkämpfe, sodass beide Seiten ihre Partner zufriedenstellen können", sagt Hanraths. Auch seien Turnierformate wie der "Prizefighter" in England denkbar, wo an einem Abend acht Boxer untereinander einen Sieger auskämpfen.

Hanraths weiß, dass er einen langen Atem benötigen wird, um Universum zu einstiger Stärke zurückzuführen. Dass es möglich ist, daran glaubt er fest. "Uns fehlt vor allem die Geschlossenheit, wieder als Team aufzutreten. Die Basis für Erfolg sind zufriedene Boxer", sagt er. Seine Politik, Sportler mit hohen finanziellen Vergütungen zu locken, war ihm nach dem Abschied intern vorgehalten worden. "Ich habe nur das gegeben, was die Boxer wert waren", sagt er, "niemand darf das Gefühl bekommen, er werde ausgenutzt."

Dieses Gefühl hatten in den vergangenen Jahren diverse Universum-Profis. Hanraths hat sich deshalb vorgenommen, keine falschen Versprechungen zu machen. "Ich werde niemanden verpflichten, dem ich keine sichere Zukunft bieten kann", sagt er, "sonst mache ich mir meinen guten Ruf kaputt." Wer die Reaktionen auf seine Rückkehr erlebt hat, der weiß, dass Peter Hanraths einiges zu verlieren hat.

( (bj) )