Supermittelgewicht

Eduard Gutknecht kämpft im Box-Duell der Freunde

Hamburg. Der Moment, in dem Eduard Gutknecht erfuhr, dass er sich sein sportliches Lebensziel erfüllen kann, war eigenartig. Nicht, dass sich der Supermittelgewichtsboxer nicht gefreut hätte über die erste WM-Chance, die ihm sein Hamburger Promoter Universum am Sonnabend (23 Uhr, ZDF live) in der Bördelandhalle in Magdeburg bietet. Aber dass er ausgerechnet gegen seinen Freund Robert Stieglitz antreten muss, hat den 28-Jährigen kurzzeitig mit Wehmut erfüllt. "Ich kenne es aus Amateurzeiten, dass man gegen Trainingskollegen boxen muss, aber bei den Profis gegen einen guten Freund um die WM zu kämpfen ist natürlich nicht besonders schön", sagt Gutknecht. Aber er weiß: "Das ist meine Chance, und wenn ich sie nicht nutze, kommt sie so schnell nicht wieder. Deshalb werde ich auch mit Robert kein Mitleid haben."

Gutknecht und Stieglitz kennen sich seit ihrer Jugendzeit. Der in Kasachstan geborene Gutknecht war 1995 mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern in den Landkreis Gifhorn gekommen. Der gebürtige Russe Stieglitz wuchs im rund 80 km entfernten Magdeburg auf, wo er heute beim SES-Boxstall von Ulf Steinforth unter Vertrag steht. Sein verbrachten viele gemeinsame Abende in Sporthallen, einige auch in Diskotheken. "Nachdem ich 2006 in Hamburg Profi wurde, haben sich unsere Wege getrennt, aber wir telefonieren regelmäßig oder chatten im Internet", sagt Gutknecht, den alle "Eddy" nennen.

Dass der zweifache Vater, der mit Ehefrau Julia und den Söhnen Noel (22 Monate) und Mark (vier Monate) ein Haus in Gifhorn bewohnt und seine Wohnung in Hamburg nur in der Vorbereitungsphase nutzt, überhaupt eine WM-Chance erhalten würde, war vor wenigen Monaten noch nicht abzusehen. Nach 15 eher durchwachsenen Profikämpfen galt er im November 2008 als Abschiebekandidat im sich stetig verschlankenden Universum-Stall. Erst ein klärendes Gespräch mit der Geschäftsleitung brachte die Wende. Gutknecht forderte härtere Gegner - und der Erfolg stellte sich ein. Im Februar 2009 schlug er den US-Amerikaner Rubin Williams in Rostock in Runde fünf k. o. und zeigte sich dabei extrem verbessert. "Ich habe gemerkt, dass mir diese Alles-oder-Nichts-Situationen liegen.", sagt er. Als er im Dezember in Sölden seinen Stallkollegen, Exweltmeister Karoly Balzsay, besiegte, war der Weg zur WM frei.

Sollte er dennoch verlieren, stünde Gutknecht nicht vor den Trümmern seines Lebens. Er hat eine abgeschlossene Berufsausbildung (Industriemechaniker, absolvierte nebenbei seine Meisterprüfung und bildete sich zum Technischen Fachwirt weiter. "Ich habe das Gefühl, dass mir nichts passieren kann", sagt er. Nicht die schlechteste Voraussetzung.