Boxen

Nach der Disqualifikation von Abraham flogen die Fäuste

Detroit. Am Ende hatte Arthur Abraham Glück, dass er nur verloren hatte und nicht auch noch gelyncht wurde. Der rund 30 Mitglieder starke Familienclan seines Gegners Andre Dirrell wollte den Boxring der Joe-Louis-Arena stürmen, nachdem der Supermittelgewichtsprofi seinem Widersacher einen Schlag an die Schläfe versetzt hatte. Bei einer Attacke des 30 Jahre alten Berliners rutschte der US-Amerikaner aus, Abraham setzte nach, schlug verbotenerweise auf den am Boden sitzenden Dirrell ein - und der fiel um.

Da hielt es die aufgebrachten Dirrell-Verwandten nicht mehr auf ihren Plätzen. Es flogen Fäuste, Schimpfworte und Gegenstände. Abraham musste von einem ebenso breiten wie großen Bodyguard abgeschirmt werden. Danach brach Ringrichter Laurence Cole, ein Landsmann Dirrells, den Kampf in der elften Runde wegen Nachschlagens ab und disqualifizierte Abraham. Der gebürtige Armenier mit deutschem Pass musste damit im zweiten Kampf die erste Niederlage im Super-Six-Turnier der sechs weltbesten Supermittelgewichtler hinnehmen. "Ich war so im Adrenalinschub. Sollte ich warten, bis er sich wieder erholt hat?", entschuldigte Abraham seine regelwidrige Attacke.

Abrahams Promoter Wilfried Sauerland legte Protest beim Weltverband WBC ein und forderte, den Kampf mit "No Contest" (kein Wettbewerb) zu werten. Begründung: Abrahams Niederschlag in der zehnten Runde sei nicht berücksichtigt und Dirrell nicht angezählt worden; außerdem hätten die Tiefschläge des Amerikaners zu keinem Punktabzug geführt, und obendrein habe sich Dirrell keiner Dopingkontrolle unterzogen.

Aussicht auf Erfolg hat der Protest allerdings kaum. Wäre der Kampf über die Runden gegangen, hätte Abraham klar verloren. Dirrell war der schnellere, beweglichere und technisch bessere Boxer. Trotz der Niederlage führt Abraham die Turnierwertung weiterhin mit drei Punkten an. Es folgen Dirrell (zwei Kämpfe/zwei Punkte) sowie WBA-Champion Andre Ward (USA) und der britische WBC-Weltmeister Carl Froch (jeweils ein Kampf/zwei Punkte). Noch ohne Punkt sind der Däne Mikkel Kessler und Alan Green (USA).