Enttäuscht

Eisschnelllauf-Trainer geißelt sich selbst

Richmond. Als Überraschungssieger Mark Tuitert seine Ehefrau Helen überschwänglich vor den TV-Kameras abküsste, stand sein Landsmann Bart Schouten vor dem Scherbenhaufen seiner Arbeit als Bundestrainer. Vor vier Jahren hatte der Niederländer den deutschen Eisschnelllauf-Herren ein Übermaß an Zuversicht eingeimpft und Olympiamedaillen für Vancouver angekündigt. Nun steht Platz 16 von Samuel Schwarz über 1000 Meter als beste Platzierung zu Buche. Zuletzt hatten die deutschen Männer vor 58 Jahren in Oslo noch schlechter abgeschnitten.

Das desaströse Ergebnis über 1500 Meter mit Platz 32 für den Berliner Schwarz glich einem Offenbarungseid. Kein Wunder, dass sich Schouten danach zuallererst selbst infrage stellte und Fehler einräumte. "Wir sind weit weg von den gestellten Zielen. Ich habe vor dreieinhalb Jahren alles viel zu positiv eingeschätzt", gab er zu. "Nichts ist so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", fügte er enttäuscht hinzu. "Ich habe die Messlatte zu hoch gelegt. Solch einen Kulturschock ist man in Deutschland nicht gewohnt. Ich war nicht in der Lage, die Jungs richtig zu motivieren", räumte er ein und stellte sich zugleich vor seine Versager: "Ich muss die Kritik auf mich nehmen."

Konsequenzen zu ziehen heißt für Schouten nun aber nicht Rücktritt, sondern neue Offensive. Auch Verbandspräsident Gerd Heinze hatte sich immer wieder vor den Oranje-Import gestellt und schon nach der verpassten Qualifikation des Teamtrios erklärt, er werde sich nicht an der "öffentlichen Hinrichtung" Schoutens beteiligen.

Wie er die Lücke zur Weltspitze schließen will? "Das kann man nicht beantworten, wenn man es nicht angeht", lautet Schoutens Maxime. Wichtig sei, seine Autorität künftig stärker durchzusetzen. "Ich war zu weich, habe zu oft meine Linie verlassen, mich zu stark beeinflussen lassen." Das soll es künftig nicht mehr geben. "Ich habe gespürt, dass die Jungs auf knallharte Ansagen besser reagieren als auf Mitsprache."