Ski alpin: Deutscher Abfahrer als Exot

Stephan Keppler will kein Olympia-Tourist sein

Whistler. Stephan Keppler ist der einzige seiner Art. Als deutscher Abfahrtssolist bei den Olympischen Winterspielen wird er allerdings nicht bestaunt wie eine vom Aussterben bedrohte Tierart. Auch Keppler ist zwar Exot, jedoch einer, der eher belächelt wird. Keppler muss sich und sein Tun immer wieder rechtfertigen, speziell bei Olympia. Und so ist es ihm ein persönliches Anliegen, wenn er vor dem Rennen in der Königsdisziplin am Sonnabend sagt: "Ich will alles sein, nur bitte nicht der Olympia-Tourist Keppler."

Deutsche Abfahrer und die Olympischen Spiele - das ist nicht gerade eine Liebesbeziehung. Keppler ist der erste Abfahrer des Deutschen Skiverbandes (DSV) seit 16 Jahren, der sich direkt für eine Olympia-Abfahrt qualifiziert hat. Die letzte von gerade einmal zwei Medaillen hat der Bischofswiesener Wolfgang Bartels 1964 in Innsbruck gewonnen. Keppler kennt die Historie und macht sich keine Illusionen. "Ich zähle mich nicht unbedingt zu denen, die für eine Überraschung sorgen können. Aber ich will in die Top Ten", sagt er.

Damit würde er die Kritiker zum Schweigen bringen, die seine Daseinsberechtigung bei Olympia anzweifeln. Auch Alpindirektor Wolfgang Maier gehört dazu, wenngleich der frühere Coach froh ist, mit Keppler wenigstens einen Abfahrer in Whistler zu haben. "Wir trauen Stephan etwas zu", sagt er. Doch Maier hat auch mit ansehen müssen, wie Keppler drohte, sein Talent nach zwei achten Plätzen im Winter 2006/07 zu vergeuden. Und er hat ihn dafür bisweilen scharf attackiert.

Auch in diesem Winter hat sich Keppler wieder einiges anhören müssen. "Manche müssen sich fragen, ob sie Rennfahrer sein wollen", hatte Cheftrainer Karlheinz Waibel im Dezember geunkt - und auch Keppler gemeint. Der konterte nach gelösten Materialproblemen zehn Tage später mit Rang 13 in Bormio und sicherte sich einen Monat später als 14. in Kitzbühel sein Olympia-Ticket.