Ski: Die Schwestern trumpfen auf

Die Rieschs rasen ins "Traumwochenende"

Beim Riesenslalom belegen vier deutsche Rennläuferinnen Plätze unter den ersten neun. Auch im Slalom stark.

Berlin/Maribor. Manchmal staunt die Abteilung wohl selbst. Fast traditionell darf der Deutsche Skiverband zwar von seinen Rennläuferinnen mehr erwarten als von den Männern. Und dennoch erreicht die Form der Frauen vier Wochen vor Olympia allmählich historische Qualitätsdimensionen: Am Wochenende führten die Rennläuferinnen in Maribor vor, dass der Verband wohl noch nie so viele Weltklasseathletinnen auf einmal auf die Piste bringen konnte. Seit Sonnabend nämlich sind plötzlich auch alle im Riesenslalom gut. Nach Jahren der Flaute auf der Grundlagenstrecke aller Alpindisziplinen sorgte Maria Riesch mit Platz zwei hinter der Österreicherin Kathrin Zettel schon allein für Furore. Doch hinter ihr garantierten schließlich auch noch Weltmeisterin Kathrin Hölzl auf Rang vier, Viktoria Rebensburg als Achte und Lena Dürr auf Rang neun für ein erstklassiges Mannschaftsergebnis.

Gestern im Slalom schließlich landete die ältere Riesch-Schwester Maria auf Rang drei vor der jüngeren Susanne, während die Österreicherin Zettel erneut siegte vor der Slowenin Tina Maze. "Das war fast ein Traumwochenende für mich: zweimal auf dem Podest und meine beste Platzierung im Riesenslalom", schwärmte Maria Riesch, die die Gesamtweltcupführung von ihrer amerikanischen Freundin Lindsey Vonn übernahm, "ich bedanke mich hiermit bei Marlies Schild: Das war ihr dritter Ausfall heute. Im Slalom passiert schnell was."

Vier deutsche Frauen unter den ersten zehn in einem Weltcup-Riesenslalom hat der DSV schon lange nicht mehr bejubeln dürfen: Das hat es zuvor ohnehin nur einmal gegeben - 1986 ebenfalls in Maribor.

Der Alpin-Sportdirektor des Verbandes, Wolfgang Maier, erklärt: "Die Frauen haben sich noch mehr weiterentwickelt von der vorigen Saison. Auch im Nachwuchs haben wir sehr gute Leute. Wir sind nicht gesegnet von einer großen Masse, aber wir haben schon Substanz, sechs, sieben Frauen, die sich kontinuierlich unter den besten zehn der verschiedenen Disziplinen bewegen können", schwärmt er. "Die Weltmeisterschaften in Val d'Isère 2009 waren für uns wie ein Befreiungsschlag, weil wir da die Meinung widerlegt haben: Die bringen ja nix zusammen."

Die Leistungsdichte im eigenen Team ist nun so groß geworden, dass die Masse an Qualität unangenehme Entscheidungen verlangt: Anders als bei den Männern, bei denen seit Jahren Felix Neureuther den Alleinunterhalter gibt, so dass allein fraglich ist, ob er die Qualifikationsnorm schafft oder nicht, kann der Verband bei den Frauen aus einer Auswahl selektieren. "Die Entscheidung, wer für die Olympiarennen nominiert wird, werden wir später treffen. Wir lassen uns da Zeit", sagt Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold, "wir müssen einige Dinge in Betracht ziehen: Formkurve, den Hang in Whistler. Schließlich wollen wir mit der stärksten Mannschaft dort vertreten sein."

Entscheidend für den Aufschwung sind die Weltklasseergebnisse einzelner Fahrerinnen, die dem Rest der Mannschaft Selbstvertrauen gegeben haben. Wenn eine Trainingskameradin auf das Podest fährt, erkennen auch die anderen, welche Möglichkeiten auch sie haben könnten. "Für die Leistung im Team generell ist es immer gut, wenn die Dichte hoch ist", sagt die junge Viktoria Rebensburg (20), "jeder gibt immer noch mehr, so schaukeln wir uns hoch."