Carina Witthöft ist eins der größten deutschen Talente

In der Familie liegt die Kraft

Dank ihres Umfelds hat die Schülerin bereits Erfolge im Damenbereich. Von heute an startet sie bei den deutschen Meisterschaften.

Hamburg. "Sie bringt alle sportlichen Voraussetzungen mit, um eine Topspielerin auf der Damentour zu werden." Gesagt hat diesen Satz Barbara Rittner, die Chefin des Fedcup-Teams der deutschen Tennisdamen. Und die, der dieser Satz galt, freut sich einerseits über das Lob, andererseits ist da aber auch Unbehagen zu spüren. Carina Witthöft, 14 Jahre alt, seit Sommer jüngste Hamburger Damenmeisterin der Geschichte und eines der größten deutschen Talente, scheint den hohen Erwartungen nicht ganz über den Weg zu trauen. Heute startet sie dank einer Wildcard gegen Dinah Pfizenmaier (Bochum) in die deutschen Meisterschaften in Offenburg.

Während manch ein Talent mit hochtrabenden Aussagen auf sich aufmerksam machen würde, sagt sie nur: "Für mich wäre es schon ein Riesenerfolg, wenn ich eine Runde gewinnen würde."

Dass die 172 cm große Athletin trotz ihres Alters im Damenbereich mithalten kann, bewies sie Anfang November in Ismaning, als sie gegen die Italienerin Corinna Dentoni, damals die Nummer 188 der WTA-Weltrangliste, nur knapp verlor. Oder im August, beim von ihr selbst zum Karrierehöhepunkt ernannten Turnier in Wahlstedt, wo sie sich durch die Qualifikation kämpfte und erst im Halbfinale an der späteren Turniersiegerin Sandra Martinovic (Bosnien-Herzegowina) scheiterte. "Da habe ich gemerkt, dass ich mithalten kann", sagt sie. Auf Platz 985 der Weltrangliste wird Witthöft geführt, 2010 sind die Top 700 das Ziel.

Dafür trainiert die Zehntklässlerin, die für den Club an der Alster Ligaspiele bestreitet, an sechs Tagen in der Woche, dreimal sogar mehrmals am Tag. Möglich machte dies der Wechsel vom Gymnasium in Wentorf, wo die Familie lebt, auf die Eliteschule des Sports am Alten Teichweg. Dass der Unterricht dort perfekt auf die Trainings- und Turnierplanung abgestimmt ist, gefällt ihr ebenso wie die Tatsache, dass ihre neuen Mitschüler für ihre Verpflichtungen grenzenloses Verständnis aufbringen. "Früher konnte ich nie zu Geburtstagsfeiern gehen, weil ich Training hatte. Jetzt gibt es in der Woche keine Feiern, weil alle Mitschüler trainieren müssen", sagt sie.

Als großen Pluspunkt für die Entwicklung der 14-Jährigen, die die Rückhand longline als ihre stärkste Waffe bezeichnet, hat Rittner deren Umfeld ausgemacht. "Sie wird nicht von Erwartungen oder Euphorie erdrückt, sondern sinnvoll gefördert und unterstützt", sagt sie, was diesmal ein Lob für Kai und Gaby Witthöft ist. Die beiden 46-Jährigen betreiben in Bramfeld und Jenfeld die "Tennisschule Witthöft" und brachten ihrer Tochter mit dem Schläger in Kontakt, als diese gerade stehen konnte. "Sie hat als Zweijährige mit dem Softball gegen die Wand gespielt", erinnert sich Gaby Witthöft, Carinas erste Trainerin.

Dennoch, versichert die Tochter, sei sie von den Eltern nie gezwungen worden, Tennis zu spielen - im Gegenteil: Von Leistungsturnen über Leichtathletik bis zum Taekwondo probierte sie alles aus. "Aber Tennis war das, worauf ich immer Lust hatte. Deshalb war irgendwann klar, dass ich mich dafür entscheiden würde", sagt sie. Derzeit verbringt sie 40 Prozent ihrer Trainingszeit mit dem Vater, die anderen 60 Prozent mit ihrem Hauptcoach Jörn Renzenbrink.

Besonders wichtig ist der Blondine, die den Schweizer Roger Federer und die Russin Maria Scharapowa als Vorbilder nennt, jedoch die Unterstützung ihrer Schwester Jennifer. Die 17-Jährige spielt ebenfalls auf der WTA-Tour und ist dank ihrer identischen Spielstärke die perfekte Sparringspartnerin für Carina. Entscheidend sei jedoch, dass beide menschlich auf einer Wellenlänge liegen. "Wir verstehen uns besser als die meisten Geschwister", sagt Carina. Lediglich bei Wettkämpfen, die es schon mehrfach gab und die jede zu 50 Prozent für sich entschied, ist dicke Luft programmiert. "Da streiten wir uns oft, und meist gibt dann eine auf", sagt Carina.

Auch nach den Meisterschaften in Offenburg will Rittner die Nachwuchshoffnung regelmäßig mit Wildcards fördern und zu Trainingswochen einladen. "Natürlich ist es heute schwer zu sagen, was sie mal erreichen kann. Aber ich traue ihr einiges zu", sagt Rittner. Witthöft selbst tut dies auch. Sie sagt es nur nicht, sondern zeigt es lieber.

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