WM-Mannschaften im Porträt

Australien: Die Destruktiven

| Lesedauer: 3 Minuten

Die Soceroos haben sich erstmals über Asien qualifiziert. Der Mauerfußball war nicht immer schön, aber erfolgreich.

Melbourne. Australien ist erleichtert - endlich keine Play-off-Spiele mehr. Der «Umzug» der Socceroos in die asiatische WM-Qualifikation brachte das Team des niederländischen Trainers Pim Verbeek auf direktem Wege nach Südafrika. «Verbeuge dich, Pim. Deine Aufgabe ist erledigt. Es war nicht schön, aber wen interessiert's?», schrieb der Sunday Telegraph.

Australien kommt über Asien nach Afrika - die Chance zur Revanche ist gekommen. Noch immer ist die Wut der Aussies nicht verraucht. 2006 brachte sie der «späteste» Elfmeter der WM-Geschichte zur Verzweiflung. Wie grotesk der Italiener Fabio Grosso nach einer absolut regulären Aktion von Lucas Neill zu Boden ging, machte die Aussies rasend. Superstar Francesco Totti verwandelte in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 1:0 (0:0) des späteren Weltmeisters im Achtelfinale.

«Niemals war das ein Elfmeter», «Betrug», «Schiebung», schimpften die Socceroos damals. Dabei verlief das Turnier in Deutschland aus australischer Sicht geradezu untypisch. Immerhin fünf Tore in drei Gruppenspielen erzielten die notorisch harmlosen Spieler des 21. der FIFA-Weltrangliste. 2010 ist wieder alles im alten Trott. Mauerfußball und ganz vornedrin baumlange Kerle - das ist das australische Erfolgsrezept, auch in Südafrika. «Die WM ist eine riesengroße Veranstaltung. Ich freue mich darauf», sagte Verbeek, der für seine destruktive Taktik scharf kritisiert wurde.

Australien qualifizierte sich bereits nach sechs Spielen ohne einen Gegentreffer. Am Ende standen nach acht Duellen mit Japan, Bahrain, Usbekistan und Katar 20 Punkte und 12:1 Tore zu Buche. Einfacher ist die Qualifikation nur in Ozeanien. Für Südafrika bleibt die Hoffnung, dass das ewige Versprechen des australischen Fußballs endlich einschlägt. Harry Kewell landete inzwischen bei Galatasaray Istanbul, er war in seiner Karriere fast häufiger verletzt als auf dem Platz. «Harry spielt jetzt besser als jemals zuvor», sagte Verbeek und gibt noch einmal Einblick in seine Taktik: «Wenn wir solide in der Defensive stehen und irgendwie ein Tor erzielen, dann reicht uns das voll und ganz.»

Der Star ist mit seinem Trainer auf einer Linie. «Wir haben keineswegs immer unsere optimale Leistung gezeigt, aber wir haben mit viel Einsatz gespielt und gut verteidigt. Manchmal kommt es im Fußball genau darauf an: Einsatz zeigen, richtig verteidigen und das entscheidende Tor erzielen. Genau das ist uns gelungen», sagte Harry Kewell. Das jetzige Format der Qualifikation sei für die Aussies «besser, denn wir wurden ja immer wieder auf die WM vorbereitet. Letztlich sind es vom Niveau her WM-Spiele, wenn auch nicht gegen Teams wie Italien, Spanien, Brasilien, England und so weiter, aber jedenfalls gegen sehr starke Gegner, die alle darum gekämpft haben, bei der WM dabei zu sein.» Und vor allem gibt es für Australien keine Play-offs mehr - denn seit der ersten WM-Teilnahme 1974 war Australien sechsmal an der letzten Hürde gescheitert.

( (SID/abendblatt.de) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport