Bis zu acht Pferde werden pro Renntag getestet

Bloß kein Doping-Desaster wie in Springen und Dressur

Lesedauer: 2 Minuten

Auch heute stehen Hermann Wesseling (61) und sein Team auf der Horner Rennbahn auf dem Sprung: Wie an jedem Renntag werden zwischen sechs und acht Dopingkontrollen durchgeführt - unmittelbar nach dem Zieleinlauf.

Hamburg. Auf Anordnung der Rennleitung übernimmt der pensionierte Polizist aus Köln einen der Starter und lässt diesen zum Container im Innenraum der Bahn führen. Dort werden Urin- oder bei Problemen Blutproben entnommen.

Ausgewählt werden die Galopper nach dem Zufallsprinzip oder bei auffälligem Rennverlauf. In Grupperennen wie dem Hansa-Preis vorgestern wird grundsätzlich der Sieger überprüft; im Derby am Sonntag sind es die ersten drei. Mindestens. Die Behälter schickt der Doping-Beauftragte Wesseling zum Institut für Biochemie in Köln. Nach zwei Wochen kommen die Resultate. "Fast immer sind sie negativ", weiß Wesseling. Auch weil Trainer, Jockeys, die übrigens nicht getestet werden, und Betreuer um die Kontrollpraxis wissen.

Einen Tag vor Beginn der Derbywoche schrieb der deutsche Galopperverband dennoch seine Mitglieder an. Anlass: die Diskussionen nach dem Dopingverdacht gegen Dressurreiterin Isabell Werth und der Affäre um ihren Sprung-Kollegen Ludger Beerbaum. Solche Desaster möchten die Galopper nicht erleben. Erstmals formulieren sie eine ausdrückliche Abgrenzung vom großen Bruder Reitsport. "Seit Jahrzehnten betreiben wir mit sehr beträchtlichem finanziellem Aufwand ein effektiv funktionierendes System", so Verbandsmanager Engelbert Halm. Pro Jahr werden mehrere Hunderttausend Euro dafür ausgegeben. Den Turf- unterscheiden vom sonstigen Pferdesport ein europaweit einheitliches Regelwerk sowie weit häufigere Kontrollen und eine streng urteilende Gerichtsbarkeit. 2008 wurden im deutschen Galopprennsport, in dem 3000 Pferde aktiv sind, 630 Wettkampfproben entnommen. Bei den Springreitern ist es im Verhältnis ein Bruchteil. Selbst Oriental Tiger, Galopper des Ehrenpräsidenten der Besitzervereinigung, wurde nach einem Grupperennen disqualifiziert. Ihm war ein Medikament gegen Nesselfieber verabreicht worden.

Mancher meint, die Praxis sei zu hart. Gar nicht amüsiert war jüngst die englische Königin. Bei einem ihrer 40 Vollblüter wurde Tranexamsäure gefunden, verabreicht gegen Nasenbluten, aber zur Leistungssteigerung sonst nicht geeignet. Doch auch für Monarchenpferde gilt stur die "Nulllösung": Körperfremde Wirkstoffe dürfen am Renntag im Pferd nicht vorhanden sein und während des Trainings nur dann, wenn sie vom Tierarzt verordnet sowie in das offizielle Medikamentenbuch des Stalles eingetragen sind. Dessen Führung wird bei unangemeldeten Trainingskontrollen überprüft, dazu werden von den Pferden Urinproben entnommen. "Nur wenn es nicht anders geht, geben wir uns mit Blutproben zufrieden", sagt Cheffahnder Harald Siemen. Im Urin lässt sich mehr nachweisen.

Die seltenen Fälle, in denen jemand erwischt wird, sind fast immer solche, in denen eine an sich gerechtfertigte Behandlung zu spät abgesetzt wurde. Die Folge: Verlust der Preisgelder und Bestrafung des Trainers mit Geldbußen oder Sperre - bisher meist auf Bewährung.

( (jae/jmo) )