Mahnmal für den Niedergang in Hamburg

Das Leichtathletik-Stadion im Hammer Park verfällt

Foto: Michael Zapf / Z

Bis 2003 liefen, sprangen und warfen hier die großen Stars. 2007 zerstörte ein Brand die Tribüne. Heute könnte nicht einmal ein Schulwettkampf ausgetragen werden.

Hamburg. Für diesen Tag hat Frank Thaleiser zwei Besichtigungen eingeplant. Die erste führt den Geschäftsführer des Hamburger Leichtathletikverbandes zu einem Rohbau. Im Herbst will er seine Familie nach Hamburg holen, ein geeignetes Objekt wird noch gesucht. Eine Stunde später steht Thaleiser am gusseisernen Tor des Stadions im Hammer Park. Es ist das Gegenteil von einem Rohbau: ein Sanierungsfall.

Thaleiser lässt den Blick über die Bahn schweifen, auf der zwei ältere Damen mit Nordic-Walking-Stöcken einsam ihre Runden drehen. Er sagt: "Wenn ich hier mit einem Spitzenathleten herkomme, der lacht mich aus."

Noch bis 2003 sind Stars wie der frühere Sprintweltmeister Frankie Fredericks liebend gern hierher gekommen, sie wurden beim Abendsportfest der inzwischen aufgelösten LG Hammer Park von Tausenden Menschen umjubelt. Heute kann hier nicht einmal mehr ein Schulwettkampf ausgetragen werden, zuletzt haben auch die Betriebssportler der traumhaft schön gelegenen Anlage den Rücken gekehrt. Sie ist längst zu einem Mahnmal für den Niedergang des Leichtathletikstandorts geworden.

Eineinhalb Jahre ist es nun her, dass Obdachlose auf der Haupttribüne ein Feuer legten. Der Brand griff von den hier notdürftig gelagerten Sprungmatten auf das Kampfrichterhäuschen über, Fensterscheiben barsten, die Verkleidung löste sich ab. Auch die elektronische Zeitmessung fiel den Flammen zum Opfer. Seither haben zwei Ortsbegehungen mit dem zuständigen Bezirksamt Mitte stattgefunden, um den Schaden zu begutachten und einen Sanierungsplan zu erstellen. Passiert ist wenig. "Die Pläne sollten bis Weihnachten vorliegen, doch außer einem mündlichen Kostenvoranschlag von 50 000 Euro ist nichts gekommen", ärgert sich Thaleiser.

Damit ist eine weitere Saison für den Hammer Park verloren. Mit der Instandsetzung der Brandruine, für die zum Großteil die Versicherung einspringt, wäre es indes kaum getan. Die Mängelliste ist schier endlos. Aus dem Wurfring an der Südseite quellen Grasbüschel, ebenso an der Bahnbegrenzung, die sich stellenweise schon abgelöst hat.

Die Laufbahn selbst ist noch in akzeptablem Zustand, doch die Dränage funktioniert nicht mehr und lässt das Unkraut sprießen. Das Fangnetz am Diskusring ist von Löchern durchsetzt. In den Weitsprunggruben fehlt es an Sand. Im Einstichkasten der Stabhochsprunganlage steht das Wasser knöchelhoch, weil das Blech für die Abdeckung zerbeult ist. Der Tartan im Sprungbereich ist nicht gereinigt, bei Feuchtigkeit bildet sich ein gefährlicher Schmierfilm. Der Kugelstoßanlage, auf der sich einst Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss so wohlfühlte, hat der Lieferverkehr schwer zugesetzt. Und auf der zerschlissenen Hochsprungmatte zeichnen sich etliche Höcker ab.

"Die Anlage ist seit 20 Jahren stehen geblieben", klagt Platzwart Detlef Meyer und deutet wie zum Beweis auf die Stadionuhr: Sie hat irgendwann um fünf vor sieben ihren Dienst eingestellt.

Es fehlt vor allem an Lagerkapazitäten. In der Garage schlummern die Gerätschaften des Fußballklubs Hamm United und der Footballer der HTHC Hamburg Eagles, die hier ihre Heimspiele austragen. Die Leichtathletikmatten gammeln derweil im Freien vor sich hin - sofern sie nicht vom Feuer zerstört wurden.

Ein paar Jugendliche schichten sie gerade zu einem Turm auf und machen Kapriolen. "Und nachts finden hier Partys statt", sagt Meyer. Die Eindringlinge kämen von Süden, wo die Zäune eingerissen sind.

Eine verschließbare Blechhaube für die Matten würde Abhilfe schaffen, doch im Bezirksamt sieht man keinen Handlungsbedarf für den Hammer Park. "Aus unserer Sicht ist die Anlage benutzbar, es gibt keine gravierenden Mängel", heißt es in der Pressestelle. Stattdessen soll jetzt an der Kugelstoßanlage ein Freizeit-Beachvolleyballfeld aus dem Boden gestampft werden. Kosten: 15 000 Euro.

"Offenbar will man die Leichtathleten hier nicht mehr haben", schlussfolgert Thaleiser. Vor einem Jahr ist er in Hamburg mit dem Ziel angetreten, Anwärter für Olympia 2016 zu formen. "Aber wie soll ich hier Kinder für die Leichtathletik begeistern?" Die haben die Antwort bereits gegeben: Sie tragen ihre Wettkämpfe inzwischen in der ohnehin überlasteten Jahnkampfbahn aus.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.