Handball: Überzeugender HSV-Sieg über die Rhein-Neckar Löwen

Die beste erste Halbzeit der Saison

Die HSV-Handballer dürfen weiter auf den Verbleib in der Champions League hoffen. Im richtungweisenden Duell der Enttäuschten besiegten die Hamburger die nicht minder ambitionierten Rhein-Neckar Löwen überzeugend mit 31:25 (16:9).

Hamburg. Wie genau Hans Lindberg den Ball noch im Tor untergebracht hat, wird wohl auf immer sein Geheimnis bleiben. Es lief die 27. Minute in der Color-Line-Arena, die Rhein-Neckar Löwen hatten sich trotz Überzahl einmal wieder in der Abwehr der HSV-Handballer verrannt und Krzysztof Lijewski den Hamburger Gegenstoß eingeleitet. Dann ging alles ganz schnell: Lijewskis Pass nahm Lindberg an der Mittellinie auf, doch sein Dribbling missriet gründlich. Der Däne verlor die Kontrolle über den Ball, um sie dank der Haftkraft des Harzes an den Fingern dann doch wiederzufinden, und beförderte ihn im Fallen rücklings am verdutzten Mannheimer Torwart Slawomir Szmal vorbei zum 14:7 ins Tor.

Es war eben einer dieser Tage, an denen sicher nicht alles gelang, aber am Ende doch alles gut wurde. Mit 31:25 (16:9) entschieden die Hamburger das Duell der Enttäuschten für sich und nährten damit ihre Hoffnung, auch in der kommenden Spielzeit zum elitären Zirkel der Champions-League-Klubs zu gehören. "Das war die beste erste Halbzeit dieser Saison, eine Weltklasseleistung", schwärmte Andreas Rudolph. Von einem Aufwärtstrend wollte der HSV-Präsident allerdings noch nicht sprechen: "Das wissen wir erst am 28. Dezember nach Abschluss der Hinrunde."

Für den Angriff nach ganz oben in der Meisterschaft ist es für diese Mannschaft angesichts von neun Minuspunkten wohl schon zu spät oder zu früh, je nach Sichtweise. So hinterließ der Erfolg am Sonnabend durchaus nicht nur Ausrufezeichen. Neun Fehlwürfe allein in den ersten zehn Minuten hätte ein starker Gegner wohl bestraft. Doch das waren die Rhein-Neckar Löwen an diesem Tag nicht. Gegen die (durchaus nicht nur defensive) Hamburger Sechs-null-Deckung fahndeten sie 60 Minuten lang vergeblich nach Lücken. Einzig Gudjon Valur Sigurdsson fand von Zeit zu Zeit eine in der linken Abwehrseite.

Und so rächte es sich nicht einmal, als Europameister Lindberg und Weltmeister Torsten Jansen in der elften Minute beim Stand von 4:2 binnen weniger Sekunden zweimal von der Siebenmeterlinie scheiterten. Doch das Selbstvertrauen, das die Hamburger Abwehr und der nicht minder stabile Nationaltorhüter Johannes Bitter ausstrahlten, übertrug sich mit zunehmender Spieldauer und Führung auch auf den Angriff. Blazenko Lackovic etwa warf trotz dreier früher Fehlversuche mutig weiter und sollte immerhin noch fünfmal dabei Erfolg haben. Und auf der rechten Rückraumseite ließ Krzysztof Lijewski seinen noch verletzten Bruder Marcin nur wenig vermissen.

Als der Pole in der 15. Minute zum zweiten Mal traf, bedeutete das bereits die 8:3-Führung. Als Torsten Jansen neun Minuten später per Tempogegenstoß zum 13:6 erfolgreich war, ahnten die 13 170 Zuschauer (Rekordkulisse), dass dieser Nachmittag keine großen Spannungsmomente mehr bringen würde. Dafür konnten sie am Ende im Gefühl nach Hause gehen, prächtig unterhalten worden zu sein. Jedenfalls wenn ihr Herz nicht gerade für die Löwen schlägt. Für sie und ihren (noch amtierenden) Trainer Wolfgang Schwenke brechen nun magere Zeiten an. Der HSV aber hat nach dem Sieg gegen Flensburg ein weiteres (Lebens-)Zeichen gesetzt und mit Bertrand Gille sowie Stefan Schröder zwei schmerzlich vermisste Rekonvaleszenten wieder ins Spiel gebracht. Am Dienstag steht beim VfL Gummersbach (20.15 Uhr/DSF) die nächste Belastungsprobe auf dem Spielplan.

Tore, Hamburg : Lindberg 8 (7 Siebenmeter), G. Gille 6, Lackovic 5, K. Lijewski 4, B. Gille 3, Jansen 2, Schröder 1, Flohr 1, Hens 1; Rhein-Neckar : Sigurdsson 7 (2 Siebenmeter), Tkaczyk 5, Schwarzer 4, Jurasik 3, Gensheime 1, Bielecki 1, Harbok 1, Schelmenko 1. Schiedsrichter : Geipel/Helbig (Steuden/Landsberg). Zuschauer : 13 170 (ausverkauft). - Zeitstrafen : 2; 2.