100 neue Trainingsplätze für Talente

Mit fünf Jahren begann er in Rissen Hockey und Tennis zu spielen, mit 26 ist er Welt- und Europameister und seit neun Tagen auch Olympiasieger. Die...

Hamburg. Mit fünf Jahren begann er in Rissen Hockey und Tennis zu spielen, mit 26 ist er Welt- und Europameister und seit neun Tagen auch Olympiasieger. Die Laufbahn des Hockey-Nationalspielers Sebastian Biederlack, der heute für den deutschen Meister Club an der Alster verteidigt, ist beispielhaft. Und nachahmenswert. Biederlack ist einer der erfolgreichsten Hamburger Sportler aller Zeiten.

Sportkarrieren wie diese sollen nicht mehr dem Sichtungsprinzip Zufall und gutsituierten Eltern überlassen werden. Die 23 Hamburger TopSportVereine haben 2006 erstmals den Weg der systematischen Talent-Förderung beschritten. Mit der Kinder-Olympiade, die jetzt zum dritten Mal ausgetragen wird, sollen flächendeckend in Hamburg Fünf- bis Zehnjährige für den Sport interessiert und die Begabtesten unter ihnen umfänglich ausgebildet werden. Dafür stehen im nächsten Jahr 100 zusätzliche Trainingsplätze bereit. Die Universität Hamburg und der Hamburger Sportbund (HSB) begleiten das Projekt. Aus zweckgebundenen Mitteln der Stadt will der HSB im Herbst einen Sportlehrer für den Nachwuchs einstellen.

Bei dieser Art Olympiade kann jedes Kind der Jahrgänge 1998 bis 2003 mitmachen, egal ob es Vereinsmitglied ist oder nicht. In allen sieben Stadtteilen und der näheren Umgebung bieten die 23 Klubs vom 14. September bis zum 5. Oktober ihre Veranstaltungen an. Die genauen Termine und weitere Informationen finden Sie unter www.topsportvereine.de . Das Finale wird am 2. November in der Leichtathletik-Trainingshalle in Alsterdorf ausgetragen. Die Saga und Hamburg Wasser sponsern die Kinder-Olympiade. Gesamtkosten: rund 25 000 Euro.

Und das sind die Anforderungen: Jedes Kind durchläuft einen rund 80 Meter langen Bewegungs- und Geschicklichkeitsparcours, der von Sportwissenschaftlern der Universität Hamburg entwickelt wurde. Dabei muss im Slalom um Hüttchen gelaufen, über Schwebebalken balanciert und über Kästen geklettert werden. Am Ende wird die Zeit gestoppt. "Wer unseren Parcours problemlos absolviert, der sollte eine Bewegungstalent sein", sagt Klaus Mattes, Professor am Fachbereich Bewegungswissenschaften, Abteilung Trainingswissenschaften der Uni Hamburg. Mattes sucht parallel zur Kinder-Olympiade auch an Grundschulen nach sportlichen Begabungen. Das Ergebnis nach zwei Jahren Sichtung überrascht nicht: Etwa zwei Drittel der bislang erkannten Talente waren bereits Mitglieder in einem Sportverein.

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