Wettbewerb: HSV-Handball-Schulkrimi

Wo ist Felix?

"Es war Sonntag, der 20. April, und Locke machte sich zusammen mit seinem Schäferhund Felix auf den Weg in die Vereinshalle des 1. HC Gartenstadt..." So beginnt die spannende Sieger-Geschichte um ein Handball-Spitzenspiel und einen kuriosen Entführungsfall.

Es war Sonntag, der 20. April, und Locke machte sich zusammen mit seinem Schäferhund Felix auf den Weg in die Vereinshalle des 1. HC Gartenstadt, um am Abschlusstraining teilzunehmen. Locke hieß eigentlich Benjamin, wegen seiner blonden, störrischen Lockenpracht wurde er aber von allen nur "Locke" genannt. Locke war Torwart des 1. HC Gartenstadt, und genauso wie seine Locken gehörte auch sein treuer Schäferhund Felix zu ihm. Felix war ein lustiger Hund mit weichem gelbem Fell, nur seine Brust und die Pfoten waren schwarz. Locke und er waren einfach unzertrennlich und da auch die anderen Mannschaftsmitglieder ihn so sehr liebten, hatte man ihn zum Maskottchen ernannt. Er sorgte immer für gute Stimmung im Team, und bei den Spielen unterhielt er das Publikum in der Halbzeitpause mit lustigen Ballspielen. Während die beiden Richtung Sporthalle liefen, hörte Locke, dass die Kirchturmuhr zehnmal schlug.

Nach dem Abschlusstraining um 12 Uhr schwor der Trainer die Mannschaft noch einmal auf den heutigen Gegner ein. Der Tabellenzweite, hinter dem 1. HC Gartenstadt, war der Neustädter HC. Für heute hatte der Gegner ein besonderes Spiel angekündigt, in dem er den 1. HC Gartenstadt zum ersten Mal schlagen wollte. "Nette Idee", sagte der Trainer, "aber mit unserem Felix als achtem Mann sind wir doch eh unschlagbar." Nach dem Training ging die Mannschaft, wie vor jedem Heimspiel, zu Locke nach Hause, wo auf alle schon scharfe Tomatensuppe mit Buchstabennudeln und Rindfleischklößchen wartete. Dazu hatte Lockes Mutter ihr berühmtes Walnussbrot gebacken. Alle stürzten sich auf das Essen, und Felix machte sich stolz auf die Suche nach einem ruhigen Plätzchen im Garten. Im Maul balancierte er seinen Fressnapf, gefüllt mit lecker duftenden Fleischklößchen.

Nach dem fröhlichen Essen sollte es zurück in die Halle gehen, wo um 15 Uhr das Spiel angepfiffen werden sollte. Locke schnappte sich noch eine Vorratspackung Kaugummi und pfiff nach Felix. Aber der kam nicht. Er pfiff noch einmal und machte sich auf die Suche nach seinem Kumpel, aber der blieb unauffindbar. Das ganze Team lief und rief und pfiff durch das Haus und den Garten, aber Felix blieb verschwunden. Schließlich mussten sie voller Sorge ohne ihn aufbrechen und starteten seit drei Jahren zum ersten Mal ohne ihn in ein Spiel. Das war besonders qualvoll, als sie sahen, dass der Neustädter HC einen schwarzen Schäferhund dabeihatte, allerdings angeleint und mit einem Maulkorb.

Das Spiel verlief schlecht für die Gartenstädter. Kurz vor der Pause lagen sie mit 25:35 zurück, und sie hatten keine Ahnung, wie sie das Spiel noch gewinnen sollten. Dann geschah etwas Unerwartetes. Als der Halbzeitpfiff ertönte, riss der Hund sich los und sprang den Trainer des Neustädter HC an. Der trank gerade aus einer großen Wasserflasche, die er jetzt vor lauter Schreck fallen ließ. Der Hund bekam die ganze Wasserdusche ab und schüttelte sich kräftig. Zum Erstaunen aller löste sich die schwarze Farbe auf, und hervor kam ein wunderschöner gelber Felix mit schwarzer Brust und schwarzen Pfoten. Locke stürmte auf seinen Freund zu und schloss ihn in die Arme. Schnell befreite er ihn von seinem Maulkorb, und Felix hatte nichts Besseres zu tun, als auf das Spielfeld zu laufen, sich den Ball zu schnappen und das erstaunte Publikum zu unterhalten. Für den Schiedsrichter war der Fall klar. Er wollte das Spiel abbrechen und den Neustädter HC disqualifizieren. Aber das kam für die Mannschaft aus Gartenstadt nicht infrage. Sie hatten ihren Helden zurück, und nun wollten sie das Spiel zu Ende bringen. Begleitet von Felix’ fröhlichem Kläffen, holten sie schnell auf und schlugen die frustrierten Neustädter am Ende mit 38:35.

Der Held des Tages aber war Felix. Der bekam von Locke zur Belohnung einen dicken Kuss auf die Hundeschnauze und eine große Portion Fleischklößchen. "Schade", sagte Locke zu ihm, "dass du mir nicht erzählen kannst, wie die Neustädter dich entführen und einfärben konnten. Aber die Hauptsache ist, dass du fröhlich bist und dass ich dich wiederhabe." Felix schleckte ihm liebevoll über die Nase, wedelte mit dem Schwanz und machte sich schmatzend über die Fleischklößchen her.

Delia Ellermann Klasse 5a Gesamtschule Niendorf