HSV will Kooperation mit TSV Ellerbek

Handball. Jugendnationalspieler Matthias Karbowski kommt vom Regionalligaclub.

Hamburg. Als Michael Hübner in den vergangenen Tagen für den zum World Cup nach Schweden gereisten Trainer Anders Fältnäs die Übungsleitung beim HSV Handball übernahm, hatte er einen überschaubaren Kreis an Spielern um sich geschart. Ohne die Nationalspieler und die Langzeit-Verletzten konnte der Co-Trainer kaum mehr als ein halbes Dutzend Akteure begrüßen. Spätestens da war klar: Die Personaldecke beim Bundesliga-Zwölften ist zu dünn.

Sofortige Abhilfe kommt vom Regionalligaclub TSV Ellerbek. Jugendnationalspieler Matthias Karbowski, der seit einem Monat beim HSV trainiert, wechselt in die Bundesliga. Die Transfervergütung soll in Form eines Ablösespiels im März und eines Turniers in der Vorbereitung auf die neue Saison abgegolten werden.

Der 19-jährige Linkshänder, der alle Jahrgänge der Hamburger Auswahlmannschaften durchlief, wird mit einem Doppelspielrecht ausgestattet. Das bedeutet, dass er als HSV-Mitglied weiterhin für den TSV spielen darf. Dieses Recht räumt der Verband zur Nachwuchsförderung deutschen Spielern unter 23 Jahren ein.

"Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Jetzt muss ich versuchen, mich durchzusetzen", sagt Karbowski, der im Dezember am Olympiastützpunkt Hamburg seinen Zivildienst beginnt. Zunächst muss der 185-cm-Schlaks seinen 76-kg-Körper trimmen. "Er muss körperlich zulegen", fordert Fältnäs.

Karbowski soll nicht der letzte Spieler sein, der aus Ellerbek den Sprung zum HSV schafft. Mit Andreas Butzmann trainiert ein weiterer TSV-Jugendnationalspieler schon beim Bundesligaclub mit. Eine Kooperation mit dem für seine gute Jugendarbeit bekannten Regionalligaverein ist fest geplant. "Wir streben eine Zusammenarbeit an, von der beide Seiten profitieren", so Hübner.

Der HSV möchte sich in Ellerbek eine Art "Farm-Team" einrichten, wo junge Talente, die den Sprung noch nicht schaffen, Spielpraxis sammeln können. "Ellerbek ist ein ambitionierter Verein, der uns im Gegenzug dann Talente zuführen kann", so Hübner weiter.

Kay Reiser, Manager des TSV, bestätigt die Pläne. "Wir wollen spätestens 2005 in die Zweite Liga. Dabei kann uns der HSV helfen." Man habe festgestellt, dass Jugendliche wieder ein sportliches Ziel in Hamburg sehen. "Die Bundesliga spielt wieder vor der Haustür, das ist für viele ein Motivationsschub. Als Kooperationspartner des HSV wären wir im Hamburger Umland erste Anlaufadresse", glaubt Reiser.

Die Zusammenarbeit mit Vereinen in und um Hamburg ist Teil des Fältnäs-Konzepts zur Nachwuchsförderung. Auch mit der SG Wilhelmsburg (Regionalliga Nord), deren moldawischer Torjäger Alexej Pervanciuc ebenfalls mittrainiert, gibt es Kontakt. "Wir haben wenig Geld, müssen deshalb auf den Nachwuchs setzen", so Fältnäs.

Ganz ohne gestandene Spieler kann es jedoch auch nicht gehen. Deshalb kam Fältnäs vom World Cup mit der Nachricht zurück, einen "hochkarätigen Spieler" an der Angel zu haben. Schon zum ersten Auftritt in der Color-Line-Arena am 10. November gegen Wallau-Massenheim soll er im HSV-Dress auflaufen. Wer der Star ist, will Fältnäs in der kommenden Woche bekannt geben.

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