Untergang in Überzahl

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Dirk Steinbach, Björn Jensen

Team von Trainer Bill Stewart kassiert zwei Gegentore innerhalb von 18 Sekunden mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Die meisten Fans hatten die Color- Line-Arena am Sonntagnachmittag bereits verlassen, als einige Freezers-Anhänger noch einmal in Feierstimmung gerieten. Eigentlich kaum zu glauben, ob der Geschehnisse, die sich zuvor vor ihren Augen abgespielt hatten.

Ihre Mannschaft war nach zehn ansehnlichen Minuten in sich zusammengebrochen und hatte sich mit dem 1:5 (0:2, 0:3, 1:0) gegen die Iserlohn Roosters ein weiteres Heimdesaster erlaubt. Es war bereits die 13. Niederlage vor eigenem Publikum im 22. Saisonspiel.

Die verbliebenen Fans ließen sich trotz der neuerlichen Pleite sogar zur Welle hinreißen, gestartet allerdings nicht von einem ihrer Lieblinge, sondern von Iserlohns Tapper. Frust über das eigene Team mischte sich in diesem Moment mit dem Respekt vor der Leistung der Sauerländer, die mit einem deutlich geringeren Etat als die Freezers ausgestattet in der Deutschen Eishockey- Liga (DEL) für Furore sorgen und die Hamburger bereits das fünfte Mal in Folge bezwangen. Nach den kritischen Tönen von Seiten der Freezers-Führung hatten es die Anhänger vor und während des Spiels auch für das eigene Team nicht an Unterstützung mangeln lassen. "Wir kämpfen für euch kämpft für uns" gaben sie auf Plakaten als Devise vor. Zu Beginn schien das Engagement tatsächlich auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Die "Eisschränke" spielten druckvoll nach vorn, scheiterten mehrfach an Iserlohns starkem Torhüter Maracle. Doch dann musste dessen Teamkollege Wren wegen Hakens für zwei Minuten auf die Strafbank. . . Vorteil Freezers, konnte man meinen bis Kavanagh auf und davon zog, Hamburgs Ersatztorwart Daniar Dshunussow aussteigen ließ und nach zehn Minuten zur Gästeführung einschob. Und als Sünder Wren sich in der Kühlbox gerade wieder hingesetzt hatte, durfte er schon wieder jubeln. Beechey hatte Freezers-Verteidiger Rob Leask die Scheibe abgeluchst und anschließend Dshunussow zum 0:2 getunnelt.

Zwei Gegentore in Überzahl innerhalb von nur 18 Sekunden der Untergang für die anschließend erneut hilf- und harmlosen Freezers. "Mir kam es so vor, als wenn die Mannschaft nach dem Sieg in Wolfsburg entführt wurde. Diese beiden Tore passen in das Bild der Saison", konstatierte Boris Capla nach dem Spiel. "Die einzigen, die heute Charakter gezeigt haben, waren die Fans." Dabei waren die Anhänger mit dem Freezers-Boss bei weitem nicht so nachsichtig umgegangen wie mit der Mannschaft. Beleidigende Sprechchöre blieben zwar aus, die Absetzung des Geschäftsführers wurde jedoch erneut in großen Lettern gefordert. Iserlohns Fans hatten nach dem desolaten Mittelabschnitt der Hamburger mit drei weiteren Gegentoren bereits auf ein anderes Opfer getippt: "Stewart, du bist bald arbeitslos", sangen die Sauerländer.

Doch laut Capla ist die Entlassung des Coachs weiterhin kein Thema. Allerdings wollte er dem Kanadier auf Nachfrage auch keine Beschäftigungsgarantie bis zum Saisonende geben. Der Trainer selbst geht davon aus, weiter für die Freezers arbeiten zu dürfen. Bis auf Verteidiger Daniel Sevo, der mit seinem ersten Tor für die Freezers den Ehrentreffer erzielte (55.), lieferte sein Team allerdings erneut zu wenig zählbare Argumente für diese Annahme.

Tore: 0:1 (9:58) Kavanagh (Pyka, Dück) 4-5, 0:2 (10:16) Beechey 4-5, 0:3 (28:55) Hock (Wolf, Sulkovsky), 0:4 (36:21) Hock (Tapper, Wolf) 5-4, 0:5 (38:18) Blanchard (Hock, Sulkovsky), 1:5 (54:29) Sevo (Aab). Strafminuten: 18/20. SR.: Reichert (Lindau). Z.: 9866.

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