Deutschlands Handballer können sich ein Denkmal setzen

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Um es gleich klarzustellen: So ein Wintermärchen lässt sich nicht einfach neu schreiben.

Vor einem Jahr sind die deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land von einer Welle der Euphorie ganz nach oben gespült worden. Bei der Europameisterschaft in Norwegen sind die Voraussetzungen vor dem Auftaktspiel gegen Weißrussland (17.15 Uhr/ZDF) ganz andere. Und nicht einmal schlechtere. Der Heimvorteil fällt zwar weg. Auch ist mit Überraschungseffekten wie dem Comeback Christian Schwarzers oder dem Aufstieg von Michael Kraus nicht zu rechnen. Doch wurde diesmal die Vorbereitung auch kaum von Verletzungen durchkreuzt.

Umso größer sind die Erwartungen an die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand. Hält sie ihnen stand und wirft sich erneut zum Titel, würde sie sich selbst ein Denkmal setzen und all die Kritiker mundtot machen, die hinter dem WM-Triumph eine Verschwörung der Schiedsrichter wittern. Um deren Leistung ist mir allerdings wenig bange. Bei einer EM sind nur Spitzengespanne am Start, Skandale wie jüngst bei der asiatischen Olympiaqualifikation mithin ausgeschlossen.

Deutschland, Spanien, Frankreich und Polen werden Gold wohl unter sich ausmachen. Nur diese vier Nationen sind auf allen Schlüsselpositionen hochkarätig besetzt. Den Dänen zum Beispiel fehlt ein starker Linkshänder im Rückraum, die Schweden haben auf der halblinken Position eine Schwachstelle. Und die Kroaten hängen sehr von ihrem Star- Spielmacher Balic ab, hinter dessen Fitness ein Fragezeichen steht. Die beiden starken Rechtsaußen Dzomba und Zrnic sind aufgrund von Verletzungen erst gar nicht angereist.

Allerdings: Auch wir sind nicht unangreifbar. In der Deckung etwa fehlt es an einer offensiven Variante. Zum Glück ist auf die Torleute von jeher Verlass. Für unseren HSV-Mann Johannes Bitter könnte dieses Turnier den internationalen Durchbruch bedeuten, ebenso für Pascal Hens. Es würde mich nicht wundern, wenn wir die beiden in elf Tagen als Weltstars wieder in Hamburg begrüßen dürfen.

  • Abendblatt-Experte Christian Fitzek (46) ist sportlicher Leiter des deutschen Vizemeisters HSV Hamburg. Er spielte 109-mal für die Handball- Nationalmannschaft.

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