Kohlschreiber fordert nun Andy Roddick

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Das Daumendrücken für den Landsmann hat nicht geholfen.

Melbourne. Philipp Kohlschreiber bittet am Freitag Andy Roddick bei den Australian Open in Melbourne in der dritten Runde zur Revanche wider Willen. Viel lieber hätte der Augsburger gegen Michael Berrer um den Einzug ins Achtelfinale gespielt, aber der Stuttgarter musste in der Night Session erwartungsgemäß die Überlegenheit von Roddick anerkennen. Bei seiner 2:6, 2:6, 4:6-Niederlage zog sich der 27-Jährige allerdings achtbar aus der Affäre.

Immerhin hielt Berrer den an sechs gesetzten ehemaligen Weltranglistenersten 1:58 Stunden auf dem Platz auf. Kohlschreiber war bei seinem 6:4, 6:2, 0:1-Aufgabesieg über den Russen Jewgeni Koroljew zuvor nur 1:26 Stunden im Einsatz. "Ich war überrascht, ich dachte, Roddick macht mehr", sagte Berrer: "Philipp spielt dieses Niveau schon länger. Ich glaube, er gewinnt gegen Roddick in vier Sätzen."

2005 musste der 24-Jährige bereits einmal in Melbourne gegen Roddick antreten und unterlag in drei Sätzen. "Ich will weiter nach vorne kommen, dann muss ich auch mal bei einem Grand-Slam-Turnier so einen großen Gegner schlagen", sagte Kohlschreiber, der gegen Koroljew bereits seinen siebten Sieg in Folge feierte: "Ich bin sehr zufrieden, der Gegner hat großes Tempo gespielt, und ich habe voll dagegengehalten." Eine Adduktorenverletzung zwang den jungen Russen schließlich zur Aufgabe.

Während der Schwabe seinen Höhenflug eindrucksvoll bestätigte, bot Rainer Schüttler bei seiner 2:6, 2:6, 1:6-Niederlage gegen den Franzosen Gilles Simon ein erschreckend schwaches Spiel. Schüttler regte sich immer wieder über den böigen Wind auf, wirkte auf dem Platz lethargisch und ohne Selbstvertrauen. "Es war eine Katastrophe, es ging überhaupt nichts", sagte Schüttler: "Eigentlich bin ich nicht enttäuscht, ich hatte ja nie eine Chance zu gewinnen." Auch Angelique Kerber (Moers) und Sandra Klösel (Karlsruhe) sind in der zweiten Runde gescheitert. Kerber unterlag der an 25 gesetzten Italienerin Francesca Schiavone 2:6, 3:6. Klösel zog gegen Victoria Asarenka (Weißrussland/ Nr. 26) mit 1:6, 1:6 den Kürzeren. Damit waren nach drei Tagen von den 16 gestarteten deutschen Spielern neben Kohlschreiber nur noch die Berlinerin Sabine Lisicki und Denis Gremelmayr (Mannheim) im Wettbewerb, die heute ihre Zweitrundenmatches bestreiten mussten.

Kohlschreibers Daumendrücken für Berrer hatte natürlich nicht nur patriotische Gründe. "Gegen Roddick kann man auch verlieren, wenn man gut spielt", sagte Kohlschreiber: "Mir wäre im Moment noch ein Gegner lieber gewesen, gegen den man auch gewinnen kann, wenn es mal nicht so gut läuft." Wie Berrer eben. Der 27-Jährige suchte respektlos vor den 17 000 in der Rod-Laver-Arena seine Chance, nahm volles Risiko und scheiterte letztlich daran. 45 unerzwungene Fehler gegen Roddicks zwölf machten den Unterschied aus. "Ich war doch ein wenig angespannt auf dem Centre Court", sagte Berrer: "Ich habe meine Chancen gehabt, aber den letzten Ball nicht weggemacht, und deshalb bin ich etwas enttäuscht."

Kohlschreiber aber hat diese Erfahrung inzwischen. Schon vor einem Jahr zog er sich in der Rod-Laver-Arena gegen Rafael Nadal sehr achtbar aus der Affäre, ihn schrecken große Stadien und große Gegner nicht mehr. "Das Spiel gegen Nadal war der erste Schritt zu einem anderen Philipp Kohlschreiber", meint er. Auf Platz 61 der Weltrangliste stand er damals, inzwischen ist er auf 27 geklettert. "Ich bin auf einem guten Weg, aber der soll noch weiter gehen", kündigt der in Abwesenheit von Tommy Haas beste deutsche Profi an.

( sid )

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